Die Stärken des Mannes

König, Krieger, Liebhaber und Magier

Was ist eigentlich Männlichkeit, was macht einen Mann aus? Ist Männlichkeit etwas Positives? Sind Männer o.k. so wie sie sind? Was sind eigentlich echte männliche Qualitäten?

Solche und andere Fragen erschüttern das Selbstbewusstsein vieler Männer.Selbst wenn sie sich mit Macho-Verhalten eine raue Schale geben, so ist doch das Innenleben häufig in desolatem Zustand. Vielleicht gilt sogar der Umkehrschluss: je mehr vermeintlich männliches Verhalten im Außen, desto weniger Selbstvertrauen in die eigene Männlichkeit im Innen.

Vor 20 Jahren machte der amerikanische Dichter Robert Bly mit dem Buch „Der Eisenhans” auf sich aufmerksam. Die auf dem gleichnamigen Märchen basierende Betrachtung moderner Männlichkeit schlug in den USA wie in Deutschland gleichermaßen Wellen. Vom Handwerker bis zum Manager liefen Männer in Scharen in den Wald, trommelten und schrien sich den Frust über ihre Vaterbeziehungen aus dem Leib. Es war als ob alle darauf gewartet hatten, die Erlaubnis zu bekommen ein Mann zu sein.

Die Bewegung ebbte wieder ab und schlief völlig ein, als mit dem Börsencrash 2000 existenzielle Angst die Oberhand gewann. Die Aufbruchstimmung der neunziger Jahre wich einem permanenten Getriebensein durch Angst vor Verlust von Arbeitsplatz, Wohlstand und Sicherheit. Dabei war die Stoßrichtung der „Männerbewegung” darauf ausgerichtet, sich auch in unsicheren Zeiten sicher zu fühlen. Eben von innen heraus und nicht durch äußere Umstände gegeben.

Im Rahmen dieser Neuorientierung der Männlichkeit wurde viel experimentiert. Ein besonders interessantes Feld dieser Experimente war die Auseinandersetzung mit seelischen Vorbildern (von C. G. Jung Archetypen genannt). Insbesondere wurde ein Viereck hervorgehoben, dass sich sowohl an der Jung’schen Lehre als auch an der indianischen Medizinrad-Mythologie orientierte. Von Autoren wie Robert Moore, Douglas Gillette und Richard Rohr erschienen Bücher, die sich mit diesen vier männlichen Grundqualitäten auseinandersetzten: König, Krieger, Magier und Liebhaber.

Jede dieser vier Qualitäten besitzt eine Licht und eine Schattenseite. Es lohnt sich zu untersuchen, ob mein eigener Schwerpunkt eher beim zornigen Despoten als beim weisen Herrscher liegt. Bin ich eher ein feiger Sadist als ein mutiger Kämpfer? Eher ein angstgetriebener Manipulator als ein wahrheitsliebenden Magier? Oder ist mein Interesse, mich im Rausch der Sinne zu verlieren, stärker als der Wunsch, die Schöpfung durch meine Liebe zu erleuchten?

König, Krieger, Magier und Liebhaber sind außerdem in mehr oder weniger reifen Formen zu finden. Der unreife König ist eher damit beschäftigt, sein Reich ständig zu vergrößern als gut für das vorhandene zu sorgen. Der unreife Krieger verausgabt sich und ist besoffen von der eigenen Kraft. Der unreife Magier bringt wie der goethesche Zauberlehrling Kräfte ins Rollen, die er nicht mehr beherrschen kann. Und der unreife Liebhaber kann zwar Frauen verführen, aber keine Beziehung gestalten.

Der wichtigste Aspekt an diesen vier Archetypen ist jedoch, für einen Ausgleich zwischen allen vier Qualitäten zu sorgen. Jeder Mann kann in sich einen Schwerpunkt finden, zu dem es ihn automatisch zieht. Häufig ist dann die gegenüberliegende Qualität schwächer ausgeprägt und bedarf einer besonderen Aufmerksamkeit und Förderung.

Wer ausgeprägte Königs-Qualitäten hat, vernachlässigt möglicherweise seine Fähigkeiten als Liebhaber. Ein guter Krieger hat einen ausgeprägten Realitätssinn und glaubt daher nicht, dass auch geistige Kräfte (die des Magiers) etwas bewirken können. Ein Mann, der weiß, wie man die sinnlichen Genüsse dieses Lebens auskostet, kann Schwierigkeiten bekommen einen geregelten Alltag herzustellen, auf den er selbst und andere sich verlassen können. Ein Mann mit starker geistiger Ausprägung, kann leicht dazu tendieren, die Grenzen seiner Macht zu überschätzen.

Hier sind die Literaturhinweise zu den erwähnten Büchern. Mit etwas Glück sind sie noch antiquarisch zu bekommen. Lohnend für Männer, die sich selbst besser kennenlernen wollen, sind alle drei.

Robert Moore, Douglas Gillette: König, Krieger, Magier, Liebhaber – Die Stärken des Mannes
Robert Bly: Der Eisenhans – Ein Buch für Männer
Richard Rohr: Masken des Maskulinen

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