Das verflixte siebte Jahr

Die Sieben muss für fette und für magere Aussagen herhalten. Auch die Ehe ist davon betroffen. Statistisch ist das verflixte siebte Jahr allerdings eine Illusion.

Die wirklichen Zahlen

Früher war sogar die Zukunft besser.

Zumindest scheint es, als wäre das Vertrauen in die Schließung einer Ehe größer gewesen. 2015 wurden in Deutschland 400.000 Ehen geschlossen. 1950 waren es mit 750.000 fast doppelt so viele.

Das waren je tausend Einwohner 10 Eheschließungen im Jahr 1950, 2015 nur noch weniger als 5.

Bestandsschutz beendet

Die Anzahl der Ehescheidungen stieg Anfang der 1970er Jahre stark an. Das ist nicht überraschend, da die Frauenrechte gestärkt wurden und es für geschiedene Frauen erstmals einen gesellschaftlich akzeptablen Rahmen gab.

In den 50ern wurden jährlich sieben mal so viele Ehen geschlossen wie es Scheidungen gab. Heute sind es nur noch knapp zwei mal so viele.

Die Kräfte schwinden

Durchschnittlich hält eine Ehe weniger als sechs Jahre, bis die Scheidung vollzogen ist. Rechnet man das Trennungsjahr ab und geht auch davon aus, dass bis zur Entscheidung sich zu trennen auch eine Weile vergeht, scheint es als ob die verflixte Zeit schon nach ein bis zwei Jahren beginnt.

Ehen stehen unter Druck

Idealisierte Ansprüche

Wir verlange viel voneinander. Gut verdienen, gut aussehen, tolle Eltern sein. Anerkennung im Beruf, die Karriereleiter hoch klettern. Und natürlich muss der Sex immer fantastisch sein, weil man ja in jedem Film sieht, wie wild man übereinander herfallen könnte…

Berufstätigkeit

Wenn beide arbeiten, gibt es fast automatisch Defizite im Haushalt und bei der Versorgung der Kinder. Das ein oder andere Paar hat so viel Energie, das alles zu wuppen – normale Menschen sind abends geschafft von den Aufgaben des Tages, den widerstreitenden Ansprüchen von Arbeit und Familie.

Der Stress, der dabei entsteht wird meist dem Partner aufgeladen. Nicht unverständlich. Schließlich ist das ja der Mensch, den wir uns ausgesucht haben, uns am nächsten zu sein. Also bekommt er auch die Emotionen, die unter Druck entstehen, ungefiltert ab.

Ausgebrannte Paarbeziehungen

Nur selten wird wahrgenommen, dass die Anforderungen, die unser gängiges Arbeitsleben stellt, ehefeindlich und damit familienfeindlich sind. Der Druck, den Arbeitgeber machen, wird nach innen weitergegeben. Mich wundert es nicht, dass Paarbeziehungen diesem Druck immer seltener dauerhaft standhalten können.

Man könnte das einen Ehe-Burnout nennen.

Ansprüche von innen und außen höhlen die Reserven aus. Hinzu kommt, dass immer mehr Ehen von ehemaligen Scheidungskindern geschlossen werden. Das Vertrauen, dass geliebte Menschen bleiben, ist gering. Die Sorge zu scheitern liegt schon zur Hochzeitsnacht mit im Bett.

Sieben Meilensteine, eine erfreuliche, langlebige Ehe zu führen

  1. Freundschaft schließen
    Ich bin oft erstaunt, wie unfreundlich Paare miteinander umgehen. Einem Freund oder einer Freundin sagt man schon einmal, was einem nicht passt. Doch je größer der Respekt für die Individualität des anderen, desto länger kann die Freundschaft dauern. Paaren tut es gut, sich gegenseitig wie Freunde zu behandeln.
  2. Nachgiebigkeit üben
    Geschenke vertiefen die Verbundenheit. In Konfliktsituationen den Satz „Dein Wille geschehe” im Hinterkopf zu haben, passt zwar unserem Ego nicht, aber es stärkt die Beziehung, sofern es von beiden praktiziert wird.
  3. Narzissmus abbauen
    Die Selbstbezogenheit ist aus meiner Sicht das größte Gift für zwischenmenschliche Beziehungen. Unsere Gesellschaft bewundert und belohnt diejenigen, die sich mit Tricks zum Erfolg durchmogeln, doch in Paarbeziehungen funktioniert das nicht. Hier kann nur helfen, sein Ich nicht für etwas Besonderes zu halten. Es ist nur eines unter Milliarden…
  4. Achtsamkeit
    „Ich kenne dich, doch ich weiß dich nicht”, ist eine Richtschnur, wie Gespräche zwischen Partnern gut verlaufen können. Achtsamkeit im Paargespräch ist auch eine Erlaubnis für den Partner, die Erwartungen des anderen einmal nicht zu erfüllen.
  5. Zuende Zuhören
    Besser verstehen kann man den anderen, wenn er die Chance bekommt, zuende zu sprechen. Zuhören, ohne mit dem Gehörten etwas zu machen. Nicht kommentieren, nicht zurückweisen, nicht verarbeiten, nicht weiterdenken. Statt dessen einfach da sein.
  6. Fragen statt Vorwerfen
    Eine Frage ist eine Einladung. Ein Vorwurf ist eine Zurückweisung. Ein in eine Frage verpackter Vorwurf ist ebenfalls eine Zurückweisung. Fragen müssen „ergebnisoffen” gestellt werden.
  7. Terminvereinbarung
    Berufliche Termine werden zu oft höher eingeschätzt als private. „Wir leben schließlich von dem Geld.” Aber es wird übersehen, dass dieses Wir verschwindet, wenn es nicht gepflegt wird. Feste verbindliche Termine halten das Geschäft am laufen. Das sollte auch in der Ehe gelten, da sie sonst immer hinten anstehen muss.

Übrigens: Jede fünfte Ehe wird zwischen Partnern geschlossen, die bereits zum zweiten Mal heiraten. Ein bißchen Mut tut gut.

Dieser Text erschien zuerst im Logbuch 54°N, Ausgabe 7, einer Publikation der Fotografen Friedrun Reinhold, Mareike Suhn und Christian Geisler.

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