Eine Paarbeziehung lebt von gegenseitiger Unterstützung und Mitgefühl für den anderen.

Es gibt aber auch Beziehungen, in denen dieses Gegenseitige ins Ungleichgewicht gerät. Dann wird ein Partner immer bedürftiger und der andere scheinbar notwendigerweise die Stütze nicht nur des Partners, sondern der ganzen Beziehung.

Der Zustand ausgeweiteter Bedürftigkeit kann auch Depression genannt werden. Er zeichnet sich aus durch Mangel an Selbstverantwortung, Ungerechtigkeit gegenüber anderen und einem schwindenden Gefühl für die Angemessenheit der eigenen Verhaltensweisen. Je nach Charakter und Art der Störung ist der Überbedürftige eher hyperaktiv oder antriebslos. Manchmal wechseln sich beide Formen auch ab.

Foto: DRF Luftrettung
Foto: DRF Luftrettung

Der Partner des Überbedürftigen kreiert mit diesem gemeinsam eine Überlebenseinheit. Gemeinsam sind sie permament auf der Suche nach Heilung, wenden sich gemeinsam gegen den imaginären Feind (Krankheit, Gesellschaft, Ärzte, etc.).

Entsteht durch diesen gemeinsamen Kampf zu große Übereinstimmung, wendet sich der Überbedürftige kurzfristig auch gegen den Retter im eigenen Haus. Mit immer neuen unerfüllbaren Forderungen wird alles getan, um gleichzeitig (!)

  1. das Gefühl von Einsamkeit und Unterversorgung wieder in den Mittelpunkt zu stellen und
  2. den Partner in die Depression mit einzubinden. Dies geschieht häufig durch Trennungsszenarien mit Ankündigungen sofort auszuziehen bis hin zur Drohung mit Selbstmord.

Niemand will schuld sein am Tod des Partners, egal wie schwer der uns das Leben macht. Und so versucht der co-abhängige Partner alles, um die aufgebrachte Überbedürftigkeit wieder zu beruhigen. Der Kreislauf beginnt von vorn.

Das zermürbt allmählich die Beziehung und frisst über die Jahre jegliche positive Bindungsenergie auf. Leider kommen dabei immer auch die Kinder unter die Räder. Denn keiner von beiden durchschaut die narzisstische Verfassung, in der sich beide Partner befinden. Der Blick ist nur auf sich selbst und die nächste Regung des Partners gerichtet. Der Schutz der Kinder vor den rabiat wechselnden Stimmungen im Elternhaus wird geopfert, um die hoffentlich noch mögliche Rettung aus dem gemeinsamen Untergang nicht zu gefährden.

So wird beständig die Lösung vermieden, die scheinbar angestrebt wird.

Dieses Dilemma zu durchschauen ist die schwierige Aufgabe für den co-abhängigen Partner. Erst in dem Moment, in dem er die Erkenntnis zulässt, dass er den überbedürftigen Partner nicht retten kann, kann ein erwachsener Beschluss reifen, der es ermöglicht, im Kontakt zu bleiben ohne mit in den Sumpf zu steigen.

Wie sieht es dann aus? Zeter und Mordio wird dem ehemals Co-Abhängigen nachgerufen, kündigt er doch die stille Vereinbarung, gemeinsam unterzugehen. Jeder Rettungsschwimmer weiß, dass er die eigene Sicherheit zuerst bewahren muss, weil sonst beide ertrinken.

Kennen Sie solche Zustände? Teilen Sie uns etwas darüber in unserem Forum mit.

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4 Kommentare zu “Drohung mit Auszug oder Selbstmord

  1. Guten Abend,
    Guter Artikel, geht aber zuwenig in die Tiefe. Die eigene Co-abhängigkeit zu erkennen, kann schon mal Jahre dauern. Als Co-Abhängige habe ich ein Coaching in Anspruch nehmen müssen, um das „Spiel“ zu erkennen, das ich als Retterin mutwillig mitgespielt habe und wollte, bis ich eben Einsicht erreichte, wie ungesund diese Beziehung war. Ich war jahrelang Retterin, und als ich mich daraus entziehen wollte, da war ich noch mehr die Böse, usw. Der Haupt-Bedürftige will nicht an sich arbeiten und kann somit keine Selbsterkenntnis erreichen, und die Beziehung kann nicht reifen. Als Partner kann man da noch so viel an sich selbst arbeiten, schlussendlich braucht es zu einer funtionierenden, glücklichen Beziehung beide Partner. Ich muss leider, nach 14 Jahren einsehen, dass es an der Zeit ist, die Beziehung aufzulösen, weil ich es mir wert bin, und schon genug Zeit verloren habe.

    1. Hallo Nicole,
      ich habe bis Januar ebenfalls in einer solchen Beziehung gelebt, bis ich erkannt habe, dass ich immer weiter in diesen Strudel hineingezogen werde. Um mich selbst zu schützen, habe ich die Beziehung beendet. Leider bin ich bis heute die Böse, obwohl mein Partner bereits eine neue Beziehung hat. Ich selbst habe versucht, eine neue Beziehung einzugehen, musste aber erkennen, dass ich in dieser Beziehung leider nicht die Wärme bekomme, die ich momentan benötige. Trotzdem geht es mir seitdem um ein Vielfaches besser. Den Rest werde ich auch noch hinbekommen.
      Kopf hoch!
      Liebe Grüße
      Nicole

  2. Guten Morgen Henning,

    kenne ich gut – mit dem Hintergrund jahrelanger Ver- und Entwicklung.
    „Ich kann Dich nicht retten” „Ich bin nicht verantwortlich für Dein Selbstwertgefühl” …. beides Sätze, die viel Arbeit brauchten, um sie zu erreichen.

    Und dann? Wie geht es denn dann weiter?

    Momentan kostet es mich viel Mühe, den (notwendigen) Gesprächen NICHT aus dem Wege zu gehen – aber irgendwie müssen sie sein.
    Mir scheint, für mich geht es darum, hier meine eigene innere Klarheit zu finden – und diese dann zu leben.

    Der Rest mag sich dann vielleicht ganz von alleine ergeben.

    Einen schönen Tag!

    Gruß Volker

  3. Ja danke fuer den letzten Rundbrief. Ich habe mich sehr gefreut diesen Artikel zu lesen, denn ich arbeite im Moment mit genauso einem Fall, was fuer mich eine Bestätigung ist. Dieses sich hin und her bewegen, um die volle Wahrheit zu verdecken ist ja eine der Künste in diesem Spiel. Als ich dann Kontakt mit dem Partner machte, um ein Gespräch zu führen, die Frau hatte es schon Jahre beteuert, dass der niemals kommen würde, aber nach einen Anruf kam er und dann gab es eine richtige Krise, sie hat sofort mit Selbstmord gedroht, er blieb ruhig ud sagte die nächste Gesprächsrunde zu, sie aber nicht. Jetzt hat sie sich gegen ihren Retter entschieden.
    Danke

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