Eifersucht in Beziehungen

Von Henning Matthaei Twitter | Facebook

Krankhafte Eifersucht in Beziehungen ist ein großes Thema. Vor einiger Zeit rief mich die Redakteurin einer Produktionsgesellschaft an, die für den NDR eine Reportage über Paare vorbereitet, die unter Eifersucht leiden. Zugegeben, Eifersucht hat ein zerstörerisches Moment, das eine Partnerschaft über kurz oder lang beenden kann. Ich habe ihr jedoch gleich abwinken müssen, dass ich ihr Klienten vermitteln würde.

Natürlich erleben wir immer wieder eifersüchtige Paare in unserer Beratung. Genauer gesagt ist meistens ein Partner eifersüchtig, während der andere scheinbar den Grund dafür liefert. Doch dazu komme ich später. Wir haben einmal einige Klienten gefragt, ob sie bereit wären, vor der Kamera über ihre Probleme zu sprechen und niemand war dazu bereit.

Wir haben einmal für RTL eine Beratung durchgeführt, deren Ergebnisse dokumentiert wurden. (Siehe: „Bericht über das Partnerwerk bei RTL”) Allerdings brachte RTL die Klienten gleich mit und sie waren nicht aus unserem Kundenstamm. Gleichwohl war es eine erfolgreiche Beratung, nur möglicherweise nicht mit den langfristigen Ergebnissen, die wir normalerweise erzielen möchten, da RTL lediglich vier Sitzungen bezahlen wollte.

Was hat es nun mit Eifersucht auf sich?

Es gibt drei Ebenen, die es sich lohnt genauer anzuschauen:

  1. Bedürftigkeit. Eifersucht kann entstehen, wenn einer der beiden Partner sich dem anderen unterlegen fühlt. Dann entsteht das Bedürfnis, von dem, was der andere scheinbar mehr hat oder besser kann, etwas zu bekommen. Je stärker dieser Wunsch aus der Haltung eines bedürftigen Kindes formuliert wird, desto abwehrender wird gewöhnlich das Gegenüber. Die Folgen sind klar: je mehr Abwehr, desto stärker die Bedürftigkeit undsoweiterundsofort…
  2. Kontrolle ausüben. Das Hervorbringen von Eifersuchtsgefühlen ist ein exquisites Mittel, um Macht über den Partner auszuüben. Landläufig herrscht die Meinung vor, dass derjenige Schuld sei, der dem anderen Anlass zur Eifersucht gibt. Ich will hier in keiner Weise einen Freifahrtschein ausgeben, gegen Vereinbarungen zu verstoßen, die ein Paar – still oder ausgesprochen – getroffen hat. Nicht selten jedoch existiert zuerst der Ankläger.

    Dann werden Zeiten, Telefongespräche oder Blicke nach anderen (Männern oder Frauen) wild interpretiert und gedeutet. Alles wird beobachtet unter der Annahme, der Partner sei mehr an anderen interessiert, als an der eigenen Frau oder dem eigenen Mann. Diese Interpretationen können so viel Enge hervorbringen, dass sie schließlich dem Angeklagten den letzten Impuls zum Fremdgehen geben. Nach dem Motto: verurteilt bin ich ohnehin schon, dann will ich jetzt auch noch die Tat genießen…

    Dieser Kontrollzwang kann so stark werden, dass er sämtliches Vertrauen in der Paarbeziehung zerstört. Denn selbst wenn der Partner einmal etwas getan hat, dass das Misstrauen rechtfertigt, kann die Paarbeziehung nur weiterbestehen, wenn Vertrauen wiederhergestellt wird. Dies wiederum geschieht nicht (!), indem sich Partnerin oder Partner exakt so verhalten, wie es der Eifersüchtige von ihnen fordert.

    Im Gegenteil – Meine Definition von Vertrauen lautet: „Vertrauen ist Zustimmung zum Nicht-Wissen”. Und damit ist klar, dass die Beseitigung von Eifersucht in erster Linie ein innerer Prozess ist, eine Selbstreinigung von zerstörerischen Gefühlen. Nur so kann Handlungsfähigkeit wiederhergestellt werden. Ist die Eifersucht aufgelöst und der Partner verhält sich immer noch entgegen der gemeinsamen Vereinbarung, wird es auf diese Weise leichter, einen Schlussstrich zu ziehen anstatt am Leiden festzuhalten.

  3. Trennung vorbereiten. Ein weiterer versteckter Aspekt der Eifersucht wird meist völlig übersehen. Wer eifersüchtig ist, hat häufig eine versteckte Agenda. Und diese lautet: Ich gebärde mich eifersüchtig, damit ich dir die Schuld geben kann. Wenn du schuld bist, habe ich ein Recht mich zu trennen. Es ist ein ähnlicher Mechanismus, wie er in vielen Trennungssituationen wiederzufinden ist. Der denkende Geist ist so gestrickt, dass er für alles eine glaubwürdige Erklärung braucht. Die Glaubwürdigkeit produziert er auch dadurch, dass er sich Zustimmung von anderen besorgt.

    Eine Trennung ist leichter zu vollziehen, wenn es einen handfesten Streit gibt, große Auseinandersetzungen mit Schall und Rauch. Tendenziell ist die Chance groß, Zustimmung zu erhalten, wenn der Partner oder die Partnerin Anlass zur Eifersucht gibt. Wir haben in unserer Arbeit allerdings auch schon Paare erlebt, die ihre Trennung in wesentlich reiferer Weise vollzogen haben. Das sind dann eher stille Prozesse, in denen die Dankbarkeit für das überwiegt, was man vom anderen bekommen hat. Und trotz dieser Dankbarkeit, die etwas Verbindendes hat, wissen beide, dass sie an einen Punkt gelangt sind, an dem jeder für sich weitergehen muss.

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