Er spricht nicht mehr mit mir…

Von Henning Matthaei Twitter | Facebook

„Wissen Sie, ob Ihre Eltern heute abend miteinander sprechen?“

Die häufigsten abendlichen Tätigkeiten der meisten Deutschen sind wahrscheinlich Fernsehen, Essen oder früh ins Bett gehen. Aber wie wäre es mal wieder mit einer gepflegten Unterhaltung…?

„Er spricht nicht mehr mit mir“, ist eine Klage, die wir von vielen Frauen hören. Wenn man dann nachfragt, wie lange die Sprachlosigkeit schon anhält, gibt es erschreckende Antworten. Bisweilen geht es um Jahrzehnte.

Ohne unsere Standardreaktionen auf berufliche und familiäre Beanspruchungen zu überarbeiten, sieht unser Feierabend wahrscheinlich ähnlich aus, wie der unserer Eltern. Wie wahr ist die Antwort, die Sie sich auf die Eingangsfrage gegeben haben, für Ihr eigenes Leben und wie zufrieden sind Sie mit der Antwort?

Warum hören Paare auf miteinander zu sprechen? Wir haben hier exemplarisch drei mögliche Szenarien dargestellt und machen Vorschläge zur Abhilfe:

  1. „Du drehst mir das Wort im Mund herum.“ Der Klassiker unter den Kommunikationskillern. Sie versteht das Gegenteil von dem, was er gesagt hat – oder er denkt, dass sie das Gegenteil von dem verstanden hat, von dem er denkt, dass er es gesagt hat…Als Reaktion auf das Nicht-Verstehen wird der gegenseitige Austausch möglichst weit reduziert. Wer nicht miteinander spricht, hat auch keinen Streit. Dies Un-Lösung ist in dem meisten Fällen zuerst für die Frau unerträglich. Tatsächlich kommt sie einer gefühlten Trennung recht nahe.

    Wem das Wort im Munde umgedreht wird, der hat die Möglichkeit, das Missverständnis klar zu stellen. Wenn das nicht gelingt, sind wahrscheinlich die eigenen Kommunikationsfähigkeiten nicht ausreichend. Ein gute Vorgehensweise ist es, sich gemeinsam hinzusetzen und zu versuchen den Kern der Angelegenheit zu fassen zu bekommen.

    Dabei ist das Aufschreiben ein gutes Mittel, um Gedanken klarer zu formulieren. Helfen Sie Ihrem Mann/Ihrer Frau damit, den Kern des Vorwurfs 100% klar zu machen, anstatt gegen einen Gedanken zu kämpfen, den Sie noch gar nicht komplett verstanden haben.

  2. „Die Kinder… “ Viele Paare kommen zusammen und über kurz oder lang werden sie eine Familie. Sobald die Kinder da sind, ändert sich alles und der Fokus beider Partner liegt bei der Versorgung der Familie im Innen wie im Außen. Die Existenz der Paarbeziehung verschwindet ganz unbemerkt.

    Kleine Kinder brauchen sehr viel Aufmerksamkeit. Dazu kommt die ohnehin neue Lebenssituation, mit der man sich erst einmal zurechtfinden muss. Und wenn man sich halbwegs arrangiert hat, klopft oft schon das nächste Kind an die Tür und wieder geht viel Kraft und Aufmerksamkeit in die Regulierung der neuen Familiensituation.

    Viele Paare vergessen im Laufe der Zeit, dass die Grundlage der Familie die Paarbeziehung war. Hätte es da nicht diese Liebe gegeben, dann gäbe es keine Familie. Unsere Empfehlung ist daher, der Paarbeziehung weiterhin eine zentrale Rolle zu geben und nicht dem Irrtum zu verfallen, dass Familienzeit gleichzeitig auch Paarzeit sei. Sie ist es nicht.

    Zeit zu zweit zu verbingen und in dieser Zeit einen intensiven Austausch auf körperlicher und geistiger Ebene zu pflegen ist das große Geschenk des Frischverliebtseins. Zeit zu zweit zu verbringen und einen intensiven Austausch auf körperlicher und geistiger Ebene aufrechtzuerhalten ist die Kunst der Liebe.

  3. „Ich habe zu viel zu tun.“ Das haben wir natürlich alle. Zu viel zu tun zu haben, hat nicht nur aber doch viel mit unklaren Grenzen zu tun. Gegenüber Ehepartnern genauso wie gegenüber Arbeitgebern, Gruppen und Vereinen, denen man angehört, gegenüber der Verwandtschaft usw.

    Auch nicht gezogene Grenzen sind ein Mangel an Kommunikation. Ein kontroverses Gespräch wird auch Auseinandersetzung genannt, d.h. es werden Standpunkte geklärt, die die Partner voneinander abgrenzen. In einer gesunde Beziehung werden Grenzen immer wieder getestet, angesprochen und neu definiert.

    Zu viel zu tun ist manchmal auch nur ein Gefühl. Wenn man sich hinsetzt und dem Anderen dieses zu viel einmal komplett darstellen darf ohne unterbrochen zu werden, verwandelt es sich vom Problem zu Projekt. So wie neulich ein Klient sich bei uns mit den Worten hinsetzte: „Ich habe ganz viel zu berichten, ich kann es kaum erwarten…“. Nachdem er die volle Aufmerksamkeit für seinen Bericht bekam, brachte er schon mit wenigen Sätzen die Dinge auf den Punkt und der Bericht hatte keine zwei Minuten gedauert.

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