Respektlosigkeit

Beziehungskiller Nr. 1

Wenn ich in drei Worten beschreiben sollte, was die wichtigste Zutat für eine erfolgreiche Paarbeziehung ist, würde ich sagen: „Respekt, Respekt, Respekt!“

Respektlosigkeit ist immer ein Beziehungskiller. Möglicherweise können sich Partner gegenseitig über lange Zeit mit Respektlosigkeit überhäufen, doch geht dies immer zu Lasten der Verbundenheit. Und es wird ein Zeitpunkt kommen, an dem es nicht mehr erträglich ist.

Ich bin immer wieder überrascht und bisweilen schockiert, wie wenig Respekt sich Partner einander zollen, die behaupten, dass sie sich lieben würden. Respektvoller Umgang und Achtsamkeit mit den empfindlichen Seiten des Anderen sind aus meiner Sicht Grundzutaten für echte Intimität.

Es gibt grobe und subtile Formen der Respektlosigkeit. Genauso gibt es aktive und passive Formen. Die aktive Respektlosigkeit besteht darin, die Grenzen des Anderen zu überschreiten. Passive Respektlosigkeit dagegen lässt die eigenen Grenzen so undeutlich werden, dass sich der Andere bei der Suche nach Beziehung permanent verirrt.

Ich möchte hier eine kurze Liste der häufigsten Arten von Respektlosigkeit vorstellen, die mir aus der täglichen Arbeit bekannt sind. Da an Kommunikation immer zwei Personen beteiligt sind, sind meist auch zwei Formen von Respektlosigkeit zu gleicher Zeit am Werke. Durch Respektlosigkeit wird Nähe vermieden bis wenigstens einer von beiden aus dem Spiel aussteigt. Dieser Ausstieg beschäftigt uns noch weiter unten.

Formen der Respektlosigkeit in der Beziehung

Den Anderen nicht ausreden lassen. Wer den Anderen nicht ausreden lässt, gibt ihm zu wenig Raum. Liebe braucht Raum. Fühlen wir uns mit dem nicht angenommen, was wir auf dem Herzen haben, so entsteht leicht das Gefühl nicht geliebt zu sein. Viel schwerer wiegt jedoch, dass der Andere eine Art Black Box bleibt, wenn ich ihm nicht zu Ende zuhöre.  Anstatt Informationen aus erster Hand zu erhalten, muss ich mir eine Interpretation zurecht legen, deren Wahrheitsgehalt oft dürftig ist.

Nachtragend sein. Wer nachtragend ist, zieht einen Gewinn daraus, den Anderen in der Opferrolle zu sehen. Vermeintlich schafft dies Sicherheit für sich selbst. Wenn der Andere das Opfer ist, stehe ich über ihm. Respektvoller Umgang findet jedoch auf Augenhöhe statt und verträgt sich nicht mit einer Oben-und-Unten-Hierarchie.

Vorwürfe. Vorwürfe sind eine weitere Form der Abgrenzung und Abwertung. Vorwürfe haben nichts mit faktischen Diskussionen zu tun. Sie dienen in erster Linie dazu, den Anderen schuldig zu machen. Zum Thema Schuld habe ich bereits in der vorigen Ausgabe ausführlich Stellung genommen. Die Respektlosigkeit besteht darin, mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen hinter dem Berg zu halten.

Beschimpfungen. Beschimpfungen sind ein Ausdruck von vermeintlicher Ausweglosigkeit. Wer den Anderen beschimpft, fühlt sich in der Regel unterlegen. Um die Unterlegenheit zu überspielen wird zu Beschimpfungen gegriffen. Die Respektlosigkeit besteht in der Unehrlichkeit über die eigenen Minderwertigkeitsgefühle.

Beschimpfungen in sich hineinfressen. Die passive Form des Umgangs mit Beschimpfungen führt nicht selten dazu irgendwann zu explodieren und dem Versuch, den Partner mit einer verbalen Breitseite aus dem Weg zu räumen. Die Respektlosigkeit besteht im „ruhig bleiben“ in Konfliktsituationen,  anstatt Farbe zu bekennen und klare Grenzen zu ziehen.

Gleich explodieren. Wer ohnehin immer unter Strom steht geht auch bei Kleinigkeiten in die Luft. Die Respektlosigkeit besteht darin, sich allgemein nicht ausreichend darum zu kümmern, in einem ausgeglichenen Gemütszustand zu sein.

Interpretation des Anderen. Eine der subtileren Formen der Respektlosigkeit ist es, Vermutungen über den Partner anzustellen. Dies äußert sich dann beispielsweise durch in den Mund geschobene Sätze, die so beginnen: „Du meinst wahrscheinlich… “, „Du bist wie… “, „Ich glaube, dass Du… “ Sie enthalten eine Grenzverschiebung zu Ungunsten des Adressaten. Statt eine Frage zu stellen und eine Selbstauskunft des Gegenübers zu erhalten, wird er in die eigene Gedankenwelt eingeordnet. Die Respektlosigkeit besteht darin, dem Anderen die Freiheit zu nehmen, sich selbst zu erklären oder gegebenenfalls auch diese Erklärung zu unterlassen.

Unvollständige Kommunikation. Unvollendete Kommunikationen sind wahrscheinlich die häufigste und am schwierigsten zu erkennende Form der Respektlosigkeit. Sätze werden nicht vollendet, Erklärungen nicht vollständig abgegeben. Der Zuhörende muss selbst Arbeit verrichten, um aus dem Gehörten eine verständliche Mitteilung zu machen. Es bleibt ein Gefühl von Verunsicherung und Undeutlichkeit.

Aus meiner Sicht ist es unverzeihlich, dem Partner die Arbeit beim Verstehen der Mitteilung zu überlassen. Wir gehen eine Partnerschaft ein, um uns wenigstens einem Menschen umfassend zu öffnen und zu zeigen. Unvollständige Kommunikation ist eine Verweigerung von Intimität.

Respektlosigkeit in der Ehe beenden – Intimität riskieren

OstseepollerWie oben schon angedeutet, dienen sämtliche Formen von Respektlosigkeit dazu, sich den anderen vom Leib zu halten. Um das zu verdeutlichen möchte ich ans andere Ende der Skala Intimität setzen.

Respektlosigkeit in der Beziehung ist die Abwesenheit von Intimität und Verbundenheit. Auf der anderen Seite verschwindet Respektlosigkeit in dem Maße, in dem ich mir erlaube und traue berührbar zu sein.

Berührbarkeit beschreibt eine Haltung der Achtsamkeit des Herzens. Indem ich meinen Fokus verschiebe von der Notwendigkeit, mein Ich mit all seinen Vorstellungen und Konzepten zu beschützen, hin zur Sehnsucht mein Herz zu öffnen und mir selbst und dem Anderen ein Zuhause zu bieten, lerne ich intimere Begegnungen zuzulassen.

Solche Intimität ist immer respektvoll. Sie ist erlernbar.

40 Antworten auf “Respektlosigkeit – Beziehungskiller Nr. 1”

  1. Was tue ich, wenn ich seit Jahren in einer Beziehung bin in welcher ich respektlos behandelt werde? Ich bin generell nicht so selbstsicher und in der Beziehung noch schwächer geworden. Mein Partner sagt Dinge die in meiner bisherigen Welt unvorstellbar waren („Du gehst mir auf den Sack“).
    Wenn ich klare Grenzen ziehe, versucht mein Partner diese Versuche zu untergraben zum Beispiel mit „Warum versuchst du es eigentlich gerade bei mir immer wieder deine Grenzen zu ziehen? Mache es doch mal bei anderen.“
    Ich fühle mich oft wütend doch wenn ich diesen Gefühlen freien Lauf lasse diskutiert mein Partner so lange mit mir bis ich einsehe, dass ich im Unrecht bin oder einfach keine Energie mehr habe.
    Ich fühle mich als müsste ich permanent um meine Position und Anerkennung kämpfen.
    Anderen gegenüber ist er meist sehr aufmerksam und zuvorkommend?
    Wie kann ich wieder an Stärke gewinnen und mich selbst und die Situation für mich zu verändern?

  2. Ich versuche gerade aus dem Punkt „Beschimpfungen“ schlau zu werden. Mir passiert es leider oft das mir in Diskussionen etwa ein „bist du behindert?“ oder „dumm“ rausrutscht. Richtig ist auf jedenfall das es ein Akt der Ausweglosigkeit ist. Aber ich kann mich in der Minderwertigkeitsgefühle-Ecke überhaupt nicht erkennen. Es passiert mir eher in Situationen in denen ich mich total Überlegen fühle. Beispiel: Man führt eine Diskussion, mein Gegenüber widerspricht sich innerhalb von 3-4 Sätzen, da komm ich mir einfach so verarscht vor das ich es garnicht fassen kann und greife dann eben zu einer Beschimpfung bzw. halte sofort den Spiegel vor um zu verdeutlichen wie unterlegen Sie gerade in der Diskussion ist. Wie passt das mit Minderwertigkeitsgefühlen zusammen?

    1. Hat es nichts mit Minderwertigkeitsgefühlen zu tun, wenn man dem Gegenüber beweisen muss, wie unterlegen es ist? Es gibt keinen logischen Zusammenhang zwischen dem Gefühl verarscht zu werden und dem Angriff auf den Anderen.

      Interessant ist der kurze Moment der inneren Übersetzung: Ihr Gegenüber verwirrt Sie und Sie hören zwischen den Zeilen welche Du-Botschaft? Sicher keine, die Ihren Selbstwert nach oben schraubt, sondern eher etwas Abwertendes. Darauf erfolgt dann die mehr oder weniger automatisierte Reaktion, die Sie beschreiben.

  3. was kann ich machen damit mein Partner überhaupt erkennt das er es ist der sich tatsächlich so verhält und auch noch glaubt es wäre sein gutes Recht. Es sind einige aus unseren Bekanntenkreis die schon lange sagen das sie nicht verstehen das ich den Umgangston den er den Kindern und mir gegenüber hat— zulasse. Nur ich komme da aus dieser Situation nicht ohne weiteres raus . Weil er sich eben ganz anders wahrnimmt als er in Wirklichkeit ist . Ich würde gerne das er ohne zu hart zu wirken das man ihn darauf bringt.

  4. Ich würde gerne den Beitrag über Schuld zugesendet bekommen, ist das möglich? Vielen Dank dafür. Und ich fand diesen Artikel außerordentlich hilfreich. Ein Augen-Öffner! Liebe Grüße.

  5. Das Ärgste, was es meiner meiner Meinung nach an Respektlosigkeit gibt, ist eine nahezu ununterbrochene verbale Dauerberieselung – scheinbar ohne Atempause – um seine „Weisheiten“ dem Partner zu verkünden. Und selbst dann, wenn solchen Leuten nichts mehr einfällt, kommt immer noch ein „und“ hinterher, um den anderen einer Entgegnung zu hindern. Eine eitere Respektlosigkeit ist die gerne praktizierte Methode, selbst die intimsten Kenntnisse über andere Bekannte, Freunde und gar auch Geschwister und Eltern auszuplaudern und lächerlich zu machen.

  6. Ich beschäftige mich nach einer von den viel zu vielen Trennungen in meinem Leben grade ziemlich intensiv mit den vermeintlich immer wieder kehrenden Problemen, und mir fällt dabei auf, dass es immer wieder die gleichen Probleme in anderm Gewand sind. Ich verhalte mich meinem Partner auch Respektlos gegenüber – und hatte bis ich angefangen habe mich intensiver damit zu beschäftigen immer geglaubt, ich würde das nicht tun, meine Aktionen wären Reaktionen auf sein verhalten. Dem ist aber nur sehr bedingt so – fast alle Verhaltensweisen von mir haben ihre Eigentliche Ursache in meinen Problemen mit mir selber – meiner Unsicherheit, meinem mangelndem Selbstwert…..Jenseits dessen, dass mir gar nicht so bewußt war, wie Respektlos ich mich da verhalte, kann man diese Spirale von Respektlosikeit nur aufhalten in dem man bei sich selber beginnt – sich selber beginnt Respektvoll zu behandeln. Ein grosses Lob an diese Seite, die mir die Augen öffnet da wo ich bisher absolut blind war, auch wenn ich das manchmal gar nicht gern lese.

    1. Liebe Eva, finde ich ganz toll von dir, dies Art von Selbstreflektion und dass du deinerseits beschlossen hast, bei dir zu beginnen. Auch wenn wir auf den gegenteiligen Lagern sitzen: du als die aus Unsicherheit den anderen dauerhaft nicht respektierenden Partner und ich als die dauer- gedemütigte Lebenspartnerin des jeweiligen neuen Partners (und es waren bei mir schon überflüssig viele! ) , die immer noch unter einer krankhaften Narzisstin als Mutter bis heute , trotz zahlreicher Therapien, leider immer noch zu leiden hat. Aber genauso wie du gebe ich nicht auf, sondern kämpfe weiter und wünsche uns beiden und allen übrigen Lesern ganz viel Kraft und hoffentlich auch Erfolg für ihre / seine Beziehung! 🙂

    2. Hallo Eva,
      ja ich habe meine Mitmenschen auch respektlos behandelt. Schwer es erst mal zu erkennen. War bisher in Schleife von Psychotherapeuten.
      Gönnte mir Achtsamkeitstraining. Und jetzt beginne ich NLP-Practitioner:
      wie kann ich mein Verhalten verändern.
      Früher: AB macht XYZ falsch…
      Durch Verhaltensänderung sehe ich MICH proaktiv selbstverantwortlich. Zum Selbstwert: im Nlp-Kurs sehe ich was andere für Sorgen haben, und ich dachte immer ich bin die einzige, die kein Selbstwert hat, was natürlich alles noch schlimmer machte.
      Allein, dass wir an uns arbeiten ist positiv.
      Lächeln und weiter machen! Alles Liebe an Dich und alle anderen!

  7. Hallo alle zusammen!
    Ich habe folgendes Problem:
    Ich lebe mit meinem Partner seit 9 Jahren zusammen. Ich bin eigentlich ein selbstbewusster Mensch. Doch mit der Zeit hat der Respekt meines Partners so extrem nachgelassen, dass wir nur noch streiten. Geheiratet haben wir in diesem Jahr und seither ist es ganz schlimm geworden. Wenn ich mit ihm Rede, gähnt er die ganze Zeit, wenn wir uns streiten, antwortet er nicht mehr und schläft einfach ein. Er beleidigt mich ich wäre zu fett und wenn etwas nicht so läuft, bin ich immer schuld und dann sagt er, dass er keinen Bock mehr auf mich hat. Meine Arbeit ist immer weniger wert als seine (bin vollzeit berufstätig) und dabei will ich doch nichts mehr, als ein harmonisches miteinander. Meistens mache ich den ersten Schritt zur Versöhnung was wahrscheinlich schon wieder ein großer Fehler ist, da er dadurch keine Grenze sieht. Was kann ich tun, damit er mich wieder ernst nimmt und merkt, dass er mich verletzt???

    1. Das würde mich auch sehr interessieren. Bei uns passiert genau das Gleiche.
      Ich werde ignoriert, indem er bei Gesprächen die Augen schließt. Und wir sind erst 4 Jahre zusammen.
      Er sagt zu mir, daß ich nur dummes Zeug rede und bescheuert bin. Es hätte auch keinen Wert mit mir darüber zu reden, da ich es eh nicht kapiere. Er sieht sich immer im Recht.
      Ich hätte so oft gerne einen Kompromiss, zu dem er grundsätzlich nicht bereit ist.
      Leider ist mittlerweile mein Vertrauen sehr kaputt, da er mich von Anfang an angelogen hat.
      Auch die Lügen verletzen mich sehr. Was soll man da machen ?!

  8. Ich erlebe es auch. Habe eine hübsche und sehr erfolgreiche Frau. Wenn sie unser Haus betritt, ist sie sehr gereizt und oft schreit sie mich wegen Kleinigkeiten an. Gleichzeitig bedroht sie mich, z.B. wenn ich sie verlassen sollte, wird sie mich fertig machen.
    Niemand unserer Freunde kann es sich vorstellen, denn sie ist sehr charmant und attraktiv, außerdem in höchsten Geschäftskreisen unterwegs. So kann ich mit niemanden darüber sprechen, leide aber sehr stark darunter. In letzter Zeit grenzt sie mich zunehmend aus, zu Terminen mit Freunden werde ich kurzfristig nicht mitgenommen.
    Ich habe ein schlechtes Gewissen, denn ich denke immer, was habe ich in der Beziehung nur falsch gemacht. Intimität und Zärtlichkeit fehlen auch seit langem, ich komme nicht an sie heran.
    Gibt es da überhaupt noch eine Lösung?

      1. Ich habe inzwischen eingesehen das mit mir was nicht stimmt. Habe mir Hilfe geholt bei einem Psychotherapeuten nun weiß ich was ich zu machen habe, erstens mache ich jetzt eine ambulante Therapie ich habe Altlasten die ich abschütteln muss und das habe ich gemacht , jetzt muss ich mich noch selbst wieder finden und mich akzeptieren dann bekomme ich das mit dem Respekt wieder in den griff und kann ihm zeigen das ich wieder die „alte“ bin die er kennengelernt und sich verliebt hat damals . Will hoffen das ich ihn so wieder bekomme

    1. Hallo Bernd,
      ich habe das selbe Thema in meiner Ehe. Nach vielen Beratungen, die ich in Anspruch genommen habe, ist mir bewußt geworden, dass ich mit einer Cholerikerin verheiratet bin oder fachmännischer gesagt, mit einer Frau mit geringer Frustrationstoleranz. Das Dumme ist, dass so etwas nur angegangen werden kann, wenn der Choleriker das Problem selbst erkennt und annimmt. Dann gibt es wohl sehr gute Möglichkeiten, sich erfolgreich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
      Ein wichtiges Thema scheint mir in diesem Zusammenhang das von Henning so trefflich dargestellte Thema „Respekt“ zu sein. Ich denke, dass verlorengegangener Respekt wirklich die Ursache der meisten Probleme in der Ehe ist.

      Ich wünsche Dir Kraft und Erfolg bei der Suche nach professioneller Hilfe
      Klaus

    2. Für mich hört sich das an als macht sie Dich bereits fertig, was soll also noch von ihr kommen? Ich an Ihrer Stelle würde nur zu einem einzigen Mittel greifen was bei diesen Art von Personen auch die einzige Möglichkeit ist um sich selbst zu schützen, Kontaktabbruch. Koffer packen und neues Leben beginnen, es ist IHR LEBEN!

      Das Leben ist zu kurz um andere Menschen die einen angeblich lieben zu therapieren oder es erst dann einsehen wenn man weg ist. Das Leben ist verdammt KURZ und zu SCHÖN um es zu VERSCHWENDEN.

  9. Gwiazdka hat was geschrieben das mich sehr interessiert : leider geht es mir so und ich bin eine Frau und habe keinen Respekt vor meinem freund obwohl er immer zuvorkommend ist nett, höflich usw nur ich pampe ihn immer an nicht in der Öffentlichkeit nur wenn wir alle sind nun hat er Schluss gemacht und ich bin am Boden zerstört weil ich diesen Mann liebe ohne ende und ihn wieder haben will aber so wie ich bin will er mich nicht mehr haben. Ich war fröhlich, humorvoll, zärtlich und noch mehr so will ich wieder sein wie schaffe ich das ich brauch diesen Mann an meiner Seite er ist mein Leben Gruß Sonja

    1. Liebe Sonja, du sprichst mir aus der Seele ! Ich bin momentan in genau der selben Situation & weiß nicht wie ich mich ändern soll. Ich denke ich hole mir professionelle Hilfe denn das Thema ist wohl etwas tiefgründiger als ich anfangs gedacht hatte.
      Liebe Grüße Vicky

  10. Hallo,
    ich habe einen respektlosen Mann an meiner Seite (11 Jahre). Er ist dominant, das Schlimmste für mich ist, dass er mich vor Anderen erniedrigt oder meine Familienmitglieder und meine Bekannten anschnauzt, wenn sie zu Besuch bei uns sind. Ich bin am Ende weil das regelmäßig sich wiederholt. Ich sage ihm das die ganze Zeit aber es hilft nichts. Das ist seine Charaktereigenschaft. Ich weiß, dass seine Mutter und Tochter aus der ersten Ehe genauso sich verhalten hatten. Kann man dies Eigenschaft erben oder ist das Teil einer Erziehung in der Kindheit -Zeit? Wie soll ich damit umgehen? Kann man so eine Art von Benehmen in den Griff bekommen?

    1. Hallo, ich bin eine attraktive von 41 Jahren und leide momentan unter dem selben Problem wie bei allen anderen Schreibern, dass sich in meiner Beziehung eine zunehmende Respekt – und Lieblosigkeit einschleicht. Wie auch eigentlich bei so ziemlich all meinen vielen Beziehungen, die ich davor hatte. Interessanterweise nehmen meine Partner dabei im Laufe der Beziehung immer wieder das respektlose, kühl- Dominanz Verhalten meiner Mutter an, wobei ich mittlerweile die Ursache ganz klar bei mir sehe. In meiner gesamten Kindheit litt ich unter der starken, narzisstisch en Persönlichkeitsstörung meiner eigenen Mutter und habe damals bis heute so ziemlich alles versucht, um ihre Liebe (wieder) zu erreichen und damit bis heute so ziemlich regelmäßig immer das genaue Gegenteil von dem erreicht, was ich mir eigentlich erwünscht und erhofft hatte : je mehr ich mich erniedrig (t)e , ihr bzw dem jeweiligen Partner gegenüber, um ihre bzw seine Liebe (wieder ) zu erringen, desto mehr habe ich damit das Gegenteil erreicht und wurde / werde stattdessen immer schäbige und demütigender behandelt. Heute bin ich klüger : erstens habe ich jetzt nicht mehr Angst vor dem Alleinsein und – wohnen alleine in meiner eigenen Wohnung, das allein macht mich stark genug, meinem Partner dieses Wochenende eine Beziehungspause und gemeinsame Aussprache vorzuschlagen. Außerdem werde ich mich um eine weitere Verhaltenstherapie bemühen und ihm das mitteilen, aber auch klarmachen, dass ich das zum Teil durchaus mache, um unsere Beziehung zu retten (falls sie seinerseits überhaupt noch zu retten ist! ) , das andererseits aber auch ganz allein für mich tue, um mir was Gutes zu tun und dass ich zukünftig lieber ein glücklicher(er) Single als dauerunglücklicher Beziehungsmensch bin in einer Beziehung, die sich meiner Definition nach schon ziemlich lange nicht einmal mehr Beziehung nennen sollte. Über Anmerkungen, Ratschläge und konstruktive Kritik bin ich übrigens sehr dankbar! Ich fühle mich gerade positiv motiviert durch das Gefühl, mit meinem Beziehungsproblem nicht alleine zu stehen und danke den anderen Schreibern und dem Betreiber für die für mich sehr konstruktiven Infos!

  11. Lieber Hennig Matthei,

    die letzten Briefe habe ich nur grob überflogen, irgendwie wollte ich mich wohl nicht mit den angesprochenen Themen befassen. Jetzt bin ich seit drei Wochen – sehr in meiner Bewegung eingeschränkt – im Krankenstand und der Laptop ist neben Telefon mein Kanal nach außen. So habe ich mich sehr über Ihre letzte Mail gefreut, die ich soeben noch einmal gut durchgelesen und durchdacht habe. Da bin ich auch auf den einen oder anderen Aufsatz gestoßen und ich habe alles mit großem Genuss gelesen. Vielen Dank dafür, dass Sie sich immer wieder so eine Mühe machen und uns alle an Ihren Gedanken teil haben lassen.
    Der Artikel über die Respektlosigkeit hat mir übrigens am besten gefallen. Ich arbeite seit 35 Jahren mit Kindern und Jugendlichen. Nicht nur in Partnerschaften, nein: in unserer gesamten Gesellschaft mangelt es an Respekt für den jeweilig anderen Menschen. Es freut mich deshalb sehr, dass Sie sich dieses Themas auf so angenehme Weise angenommen haben.
    Mit freundlichen Grüßen aus dem fränkischen Bayern
    Ihre Ruth Endres

  12. Respektlosigkeit hat sich mir auch gezeigt, indem mein Ex-Partner sich zu Hause über einen langen Zeitraum völlig gehen ließ (auch körperlich) und sich selbstverständlich in Bezug auf Verantwortlichkeiten (partnerschaftlich, lebenspraktisch, finanziell) auf meine Schultern gestützt hat ohne dies selbst zu erkennen oder zu schätzen. Manchmal hätte in kleines „Danke“ schon genügt.
    Das Gefühl der Ohmacht und des „Nicht -Respektiert-Werdens“ entstand auch durch das „Nicht-Gehört-Werden“ aufgrund: Passivität, Rückzug, Verweigerung jeglicher Kommunikation, Verletzen des Vertrauens durch Weitererzählen von meinen persönlichen Schwachpunkten und Unsicherheiten.
    Dies mündete ebenfalls in einer Respektlosigkeit von meiner Seite durch Vorwürfe, emotionale Ausbrüche etc.
    Ich kann den Punkt bestätigen, dass eine „Black-Box“ auf der anderen Seite natürlich Hilflosigkeit und Interpretationsversuche heraufbeschwört. Und nicht zuletzt eine großartige Projektionsfläche für Ängste, Selbstabwertungen und anderes Kopfkino bietet. 
    Aber es ist auch die Chance, an sich selbst wahrzunehmen, dass man für sich selbst auch Dinge verändern kann und nicht auf der ganzen Linie passiv in einer erzwungenen Lethargie ausharren muss. Nur in der Beziehung geht es halt leider nicht weiter…
    Warten, Provozieren, bis es dem anderen es zuviel wird und einen Schlussstrich zieht – aus Not heraus: nicht weil keine Liebe mehr da wäre, sondern allein nur um die Selbstachtung zu bewahren.
    Ob es unterbewusste oder bewusste Handlungen meines Ex-Partners waren: eine sehr schmerzhafte und wie ich es empfunden habe, respektlose Art zu auszudrücken, dass keine Beziehung mehr gewünscht wird (der Schlusstrich wurde dankend, mit sofortiger Neuorientierung zu einer anderen Partnerschaft angenommen)….
    Warum bleibt man so lange in einer solchen verfahrenen und offensichtlich nicht von Respekt (und ich glaube auch, dass dies ein unverzichtbarer Bestandteil einer guten Beziehung ist) getragenen Situation, wenn man sieht, dass der Partner eigentlich nicht bereit ist nach gemeinsamen Lösungen zu suchen? Die Hoffnung stirbt zuletzt, nicht wahr?
    Erkenntnis: ich bin es WERT, RESPEKTIERT zu werden 🙂 und es gibt Beziehungen, die so verfahren sind, dass das WEITERGEHEN in getrennten Wegen das Beste für beide ist.
     
    DANKE für all die gedanklichen Anregungen auf der Partnerwerkseite.
    Eileen
     
     
     
     
     

  13. Guten Tag,

    ich bin heute erst auf Ihre Arbeit aufmerksam geworden und weiß nicht, ob Sie dies bereits besprochen haben: für mich ist es ebenso respektlos, wenn mein Partner für mich in einer Form mitdenkt, die bedeutet, dass Entscheidungen, die mich betreffen, ohne mich geplant und getroffen werden.
    Ebenso gehört für mich dazu, Tatsachen aus einem „Schonprogramm“ heraus nicht ganz klar zu kommunizieren, so dass ih mir kein genaues eigenes Bild machen kann. Und so auch keine Entscheidungsgrundlage habe. Das ist so, als würde meinem Urteil nicht vertraut oder als würde unter dem Vorwand , mich zu schützen, mir Arbeit abzunehmen, oder Rücksicht zu nehmen, Entscheidungen über meinen kopf hinweg getroffen. Ich fühle mich dadurch zum Kind gemacht. Als Accessoire und nicht als Partnerin in Augenhöhe.

    Mfg Carola H.

    1. Hallo Frau H.,

      was Sie beschreiben ist ja ein Rollenspiel zwischen Erwachsenem und Kind – tatsächlich keine Paarbeziehung zwischen Gleichen.

      Sofern nicht beide bewusst ihre Rolle wählen und sie gut finden (das machen wir ja manchmal, wenn zum Beispiel einer von beiden krank ist) sind in diesen Rollen aus meiner Sicht beide Seiten fehl am Platz.

      Emotionale Autonomie zu gewinnen wäre sicher für beide angebracht. Denn auch der, der sich in die „elterliche“ Position bewegt, versucht sich letztendlich vor Intimität und Begegnung zu flüchten.

  14. Hallo Henning Matthaei!

    Ich finde es auch eine grosse Respektlosigkeit gegenüber dem Partner, ihn vor Anderen „schlecht“ zu machen oder gar das Verhalten zu pauschalisieren und es nur auf das Geschlecht zu beziehen (z.B.“typisch Mann“). Jeder hat das Recht als ganze Person gesehen zu werden und nicht nur reduziert zu werden auf das Geschlecht. Bei einigen Leuten frag ich mich, warum die eigentlich ein Paar sind, so wie sie miteinander umgehen!
    Herzliche Grüsse von A.P.

    1. Liebe Frau Paschen,

      darauf weiß ich eine Antwort: Wir versuchen verstanden zu werden!

      Respektlose Kommunikation weist darauf hin, dass hier ein Mensch spricht, der sich selbst wertloser fühlt, als er den anderen einschätzt.

      Partner/innen bekommen besonders ungefiltert eine unbewusste Mitteilung dieses Zustandes mit, in der (ebenfalls unbewussten) Hoffnung, dass doch wenigstens der geliebte Mensch dies verstehen möge. Das ist zwar umständlich, schmerzhaft und nur selten erfolgreich – aber die Vorgehensweise des Unterbewussten, um Fortschritte einzuleiten.

      Der Fehler, der häufig gemacht wird, ist an diesem Punkt die Beziehung abzubrechen, anstatt den Hilferuf zu entschlüsseln.

      1. Jeder trägt für sein Verhalten selbst die Verantwortung. Ich bin nicht der Therapeut meines Partners, will es und kann es auch gar nicht sein! Wenn man sich reinhängt, sich den Kopf zermartert, Lösungen sucht, Dinge an sich verändert, Grenzen setzt, immer wieder das Gespräch sucht, dem Partner Ansätze quasi auf dem Silbertablett serviert und dieser einfach kein Engagement oder Eigeninitiative zeigt… Dann bin ich es auch irgendwann leid, „Hilferufe zu entschlüsseln“…!
        Wenn der andere aus seinen festgefahrenen Verhaltensmustern nicht ausbrechen will weil er zu bequem ist, resigniert man irgendwann und das ist auch gut so denn so zeigt einem das eigene System, dass hier Hoffnung und Tatendrang auf fruchtlosen Boden stoßen. Respekt, Intimität und Kommunikation beruhen auf Gegenseitigkeit!

  15. ich finde ein weiterer Punkt ist: die Neutralität des Anderen. Die Passivität des Anderen. Die Reaktionslosigkeit des Anderen. Unter der Voraussetzung, das ein Partner (also der Andere ) die Beziehung sieht und die Problematik sieht und sie verändern will, weil keine Nähe und Intimität ist. Diese Reaktionen vom Anderen machen mürbe in der Partnerschaft und der eine Partner wird dann immer langsamer und deprimierter und lustloser etc. pp. Der Andere sitzt es nur aus, das ist ganz schlimm für ein Partnerschaft. Wie könnte mann aus dieser Reaktionslosigkeit den Anderen herausholen ? Oder nur an sich selbst arbeiten ? Und einen Weg finden mit einem reaktionslosen Partner leben ?
    Ich finde deine Beiträge immer spannend und ich verpasse keinen einzigen. LG Martje

    1. Hallo Martje,

      Passivität und Reaktionslosigkeit lassen (wie oben geschrieben) „die […] Grenzen so undeutlich werden, dass sich der Andere bei der Suche nach Beziehung permanent verirrt.”

      Nur an sich selbst arbeiten? Ja natürlich – ich kenne bisher niemanden, der/die eine Beziehung durch Arbeit am anderen verändert hat 😉

      Leider gibt es keine eingebaute Garantie, dass sich der andere ändert, wenn man es selbst tut… Menschen sind Individuen und mit einem leidlich freien Willen ausgestattet. Dieser wird nicht selten im Widerstand gegen Veränderungsversuche durch andere sichtbar.

  16. Ich bekam gerade eine eMail einer Leserin, die mich auf eine weitere Art der Respektlosigkeit aufmerksam gemacht hat, die jedenfalls zu dieser Liste dazu gehört:
    Die Ignoranz gegenüber Geschenken und Großzügigkeiten und die Abwertung derselben durch Anspruchshaltungen wie „so etwas gehört in einer Partnerschaft doch dazu…“.
    Wenn Sie die Liste ergänzen möchten, können Sie dies direkt im Kommentarfeld unten machen.

    1. Es gibt noch eine Art der Respektlosigkeit, die allerdings auch getarnt bleibt. Man lässt jemand ausreden: es dauert sehr lange.. Wenn der andere etwas erzählt sehr umschweifend, dass der Zuhörer kaum folgen kann und am Ende fragt er sich, was war das wesentliche. Der versuch einfühlsam zu stoppen oder kurze Zwischenfragen zu stellen, werden mit „du lässt mich nicht ausreden“ quittiert. Am ende hat der Zuhörer seine Aufmerksamkeit verschenkt und die Lust verloren selber etwas von sich mitzuteilen außer: meine Freiwilligkeit des Zuhörens wurde überstrapaziert.

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