Die Standardtechnik im Coaching ist das Fragenstellen. Das Selbstcoaching besteht folgerichtig darin, sich selbst Fragen zu stellen und diese zu beantworten.

Der gewöhnliche Alltag stellt in erster Linie Forderungen an uns. „Du musst dies noch machen“; „Du musst jenes noch machen“; „Denk daran, dass…“ Was wir nicht selbst fordern, kommt mit Sicherheit als Forderung vom Partner oder vom Chef. Der menschliche Geist hat jedoch von Natur aus ein großes Freiheitsbedürfnis. Sobald uns eine Forderung zu nahe kommt, leisten wir offen oder verdeckt Widerstand, machen uns schwer oder langsam und verhindern damit Fortschritt.

Im Gegensatz dazu schaffen Fragen einen Raum. In diesem Raum gibt es die Erlaubnis in sich hineinzuspüren und herauszufinden, was von innen nach außen möchte. In den meisten Fällen ist es sinnvoll, sowohl Fragen als auch Antworten aufzuschreiben, um eine höhere Intensität zu erzielen. Unsere Gedanken sind sehr flüchtig und werden häufig klarer, indem sie schriftlich fixiert werden. Im Idealfall führt die konsequente Anwendung des Selbstcoachings zu einer Offenheit im Gespräch mit der Partnerin/dem Partner, durch die Probleme gelöst werden können, sobald sie auftreten.

Die hier zusammengestellten Fragen untersuchen zwei Schwerpunkte. Einerseits die inneren Zustände und den Weg aus ihnen heraus. Andererseits die Situation in der Paarbeziehung und die Möglichkeiten diese zu verbessern.

Wie bereite ich dir Schwierigkeiten?

Die folgenden drei Fragen entstammen einer japanischen Selbsterforschungstechnik die Naikan genannt wird. Wir sind sehr daran gewöhnt, lediglich eine einzige Frage zu stellen, wenn wir Schwierigkeiten mit jemand haben. Diese erste und einzige Frage lautet: Auf welche Weise bereitest du mir Schwierigkeiten?

Wir sind Meister darin diese Frage zu beantworten. Uns fallen jede Menge Kleinigkeiten und große Verhaltensfehler auf, die wir am Partner beobachten und die uns kräftig auf die Nerven gehen. Interessant wird es, sobald wir die Partnerschaft wieder als eine bidirektionale Kommunikationsstruktur betrachten. Dann ist es genauso legitim zu untersuchen, wie wir selbst dem Anderen Schwierigkeiten bereiten.

Zur Vorbereitung dieses herausfordernden Schrittes der Selbsterforschung gibt es zwei weichere Einstiegsfragen. Sie untersuchen das, was wir für einander getan haben und bereiten damit den Boden, die wechselseitige Verbundenheit wieder wahrzunehmen.

  • Was hat meine Partnerin/mein Partner für mich getan?
  • Was habe ich für meine Partnerin/meinen Partner getan?
  • Auf welche Weise habe ich ihr/ihm Schwierigkeiten bereitet?

Ist es wahr, was ich über dich denke?

Eine wichtige Fragetechnik um sich selbst zu entlasten, hat die Amerikanerin Byron Katie entwickelt. Unter dem Markenzeichen The Work stellt sie einen Satz von vier Fragen zur Verfügung. Diese sind sehr hilfreich, wenn man sich in Meinungen über andere festgefahren hat. Genauso lässt sich diese Technik verwenden, um jede Art von Glaubensmuster zu untersuchen und letztendlich aufzulösen.

Ausgehend vom jeweiligen Glaubensmuster oder Urteil über jemand anderes, stellt man sich vier Fragen:

  • Ist das wahr?
  • Kann ich wirklich wissen ob das wahr ist?
  • Was geschieht in mir, wenn ich an diesem Glaubensmuster/Urteil festhalte?
  • Wie wäre mein Leben, ohne dieses Glaubensmuster/Urteil?

Abschließend dreht man das Urteil/Glaubensmuster um. Dafür gibt es häufig mehrere Möglichkeiten und es lohnt auch sich diese unterschiedlichen Möglichkeiten aufzuschreiben. Man kann zu sehr überraschenden und erfreulichen Ergebnissen damit kommen.

Eine ausführliche Beschreibung dieser Technik ist über die Webseite erhältlich: PDF The Work Methode.

Die vielen verschiedenen Möglichkeiten die The Work bietet, sind ebenfalls auf einer deutschsprachigen Webseite zusammengefasst: The Work auf Deutsch.

Haben wir unsere inneren Barrieren bezüglich Partner/Partnerin bearbeitet, dann geraten automatisch wieder Fragen in den Mittelpunkt, die die Beziehung untersuchen.

Was brauchen wir, damit es uns zusammen gut geht?

Zwei sehr einfache aber grundlegende Fragen sind die folgenden:

  • Wie könnten wir mehr Zeit miteinander verbringen?
  • Wie könnten wir die gemeinsam verbrachte Zeit gehaltvoller machen, das heißt in Qualitätszeit umwandeln?

Vertiefend könnten Sie diese beiden Fragen mit den folgenden kombinieren:

  • Wie habe ich zur aktuellen Situation beigetragen?
  • Was kann ich tun, um mehr Paarzeit/Qualitätszeit zu schaffen?
  • Auf welche Weise könnte ich verhindern dies umzusetzen?
  • Welche Schwierigkeiten kann ich jetzt schon erkennen auf dem Weg zu mehr Qualitätszeit?
  • Was fällt mir ein, um diese Schwierigkeiten zu entkräften?
  • Was würde mir ein bezahlter Berater sagen?

Haben Sie Erfahrungen mit der einen oder anderen dieser Fragetechniken gemacht? Ich würde mich freuen, wenn Sie diese im folgenden Kommentarbereich mit uns teilen würden.

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1 Kommentar zu “15 Selbstcoaching-Fragen für mehr Leichtigkeit in Beziehungen

  1. Hallo, die Frage „Wie bereite ich Dir Probleme?“ kannte ich so noch nicht! Und sie holt den Befragten ganz gut an seiner Position ab. Als Grundannahme dahinter höre ich aber so ein: „Ich darf nirgendwo stören!“ heraus.

    Ansonsten finde ich die die „Was wäre wenn“ Frage immer wieder sehr schön öffnend.

    Viele Grüße,
    David

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