Kraft, Werkzeuge und Intelligenz

Es stand mir ein wenig bevor, am Ostermontag mit vollem Bauch einen neuen Artikel für unser eMagazin zu schreiben. Da flatterte plötzlich ein Fax ins Haus – geschickt von meiner Tante aus Stockholm. Ein Tatsachenbericht aus den schwedischen Wäldern. Hier ist die Übersetzung:

Drei Männer waren auf einer Gebirgstour, als sie plötzlich an einen reißenden Fluss kamen. Sie mußten auf die andere Seite hinüber, hatten aber keine Ahnung, wie sie das bewerkstelligen sollten.

Der erste Mann begann zu beten: „Lieber Gott, gib mir die Kraft, diesen Fluß zu überqueren.“ Es machte: Peng! Und Gott gab ihm starke Arme und Beine, so daß er über den Fluß schwimmen konnte. Es dauerte beinahe zwei Stunden und mehrere Male wäre er fast ertrunken.

Der zweite Mann sprach: „Lieber Gott, gib mir die Kraft und die Werkzeuge, die ich brauche, um diesen Fluß zu überqueren.“ Es machte: Peng! Und Gott gab ihm ein Ruderboot, so dass er innerhalb einer Stunde den Fluß überquert hatte, nicht ohne dabei mehrere Male beinahe zu kentern.

Der dritte Mann hatte beobachtet, wie es den beiden anderen ergangen war und hatte nun auch einen Gebet: „Lieber Gott, gib mir die Kraft, die Werkzeuge und die Intelligenz, die ich brauche, um diesen Fluß zu überqueren. Es machte: Peng! Und aus dem Mann wurde eine Frau. Sie schaute auf die Karte, ging einige hundert Meter flußaufwärts und dort über die Brücke.

Das Leitthema des Witzes – Frauen sind die schlaueren Männer – ist in beiden Richtungen schon oft durchgespielt worden. Es ist immer wieder einen Lacher wert, aber es gibt keinen Grund dafür, es weiterzuführen. Etwas anderes macht die Geschichte interessant.

Ich erinnere mich an etwas, was mein Vermieter zu meiner Zeit in Schweden sagte, ein Deutschlehrer, der gerade an einer Doktorarbeit über Witze schrieb: „Jeder Witz transportiert unter der Ebene, auf der die Pointe liegt, eine weitere, auf der kulturelle Grundmuster weitergegeben werden. Gerade durch die witzige Verpackung wird die untergründige Nebenbotschaft, die eigentlich die Hauptbotschaft ist, widerstandslos aufgenommen. Milton Ericksons indirekte Hypnotherapie und einige daraus abgeleitete NLP-Techniken arbeiten nach demselben Muster.

Meine Deutung der Geschichte ist daher die folgende: Wer nicht betet, kommt nicht weiter! Eine etwas differenziertere Interpretation könnte lauten: Wer genau beschreiben kann, um was er bittet, wird zwar von den Folgen überrascht, aber vom Ergebnis begeistert sein.

Selbst wenn hier also Gott oder Glauben durch den Kakao gezogen werden, ist die unterschwellige Botschaft: Probier’s mal mit Vertrauen in Kräfte, die Du nicht kennst. Das ist, je nach Blickwinkel reaktionär oder revolutionär. Wenn ich mit Klienten arbeite, verwende ich aber genau diese Fähigkeit zum Vertrauen. Ohne ein Mindestmaß desselben würde nämlich kein einziger Klient unsere Praxis finden.

Eine zentrale Frage, die ich immer wieder stelle, lautet deshalb: „Wie soll Ihre Beziehung zu …. in einem Jahr aussehen?“ Oder: „Welche Stimmung soll in Ihrer Ehe in einem halben Jahr herrschen?“ Oder: „Wie möchten Sie sich persönlich am Ende des Coachings fühlen?“ Ich ernte dann überraschte Blicke und mancher sagt: „Also, ich wußte, das ich berufliche Projekte so angehen kann, aber dass es auch mit Beziehungen zu anderen Menschen oder zu mir selbst so geht, ist mir neu…“

Auf diese Weise wird das Gebet gesprochen. Und danach geschehen oftmals Wunder…

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