Tabus in Paarbeziehungen

Darüber reden wir sonst nie

Worüber Paare nicht sprechen, obwohl es wichtig wäre.

Foto: Bruno Pek

Foto: Bruno Pek

„Darüber sprechen wir sonst nie”. Diesen Satz höre ich häufiger im Paarcoaching. Es kommen Themen auf den Tisch, die im Alltag des Paares zu heikel oder zu empfindlich sind, um sie sicher ins Gespräch bringen zu können. Wenn mit der Zeit beide Partner vermeiden daran zu rühren, entwickelt sich ein Tabu in der Paarbeziehung.

Wo Tabus herrschen, beginnt die Beziehung abzukühlen und auseinander zu driften. Wenn gerade das, was einem oder sogar beiden Partnern wichtig ist, ausgeklammert wird, ist die Essenz der Beziehung in Gefahr.

Was sind die Tabuthemen in Paarbeziehungen?

Alles, was uns persönlich wichtig ist, besitzt das Potenzial sich in der Paarbeziehung zum Tabuthema zu entwickeln. Die zweite Zutat: es ist mir/uns peinlich in diesem Bereich unerfüllte Wünsche zu haben. Beispiele:

  • Geld – wir zweifeln gegenseitig die Notwendigkeit von Anschaffungen und Ausgaben an, anstatt über Neid, Gier und Angst zu sprechen.
  • Sex – Sexualität wird vermieden oder verlagert (in Selbstbefriedigung und Pornographie), weil wir nicht fähig sind zu geistiger Intimität: Berührbarkeit und Verletzlichkeit stehen in einer Welt der Coolness nicht hoch im Kurs.
  • Macht – subtil oder direkt versuchen Partner sich gegenseitig zu dominieren. Die Methoden sind ungezählt. Unsere Macht über den anderen auszubauen, hilft dem Ich zu überleben, aber dass Wir stirbt. Im Paargespräch darf das Ich gleichzeitig da sein und sich selbst infrage stellen.

Das Paar selbst ist die Lösung

Interessanterweise kommt der Anstoß, diese Tabus zu bearbeiten, meist aus dem Paar selbst. Die Stimmung im Paarcoaching ist besser geeignet sich auf brisante Themen einzulassen, als das im alltäglichen Leben der Fall ist. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Das Paarcoaching bietet einen festen Zeitraum, in dem nichts anderes stattfindet als Paarbeziehung: einander zuhören, sich mitteilen.
  • Eine fixierte Zeit lang aufeinander bezogen sein ohne von Pflichten unterbrochen zu werden, ist für viele Paare ein Erlebnis, das im Alltag so nicht vorkommt.
  • Die Bereitschaft einander zuzuhören ohne sich gegenseitig ins Wort zu fallen ist größer, wenn eine moderierende Person anwesend ist.
  • Automatische Reaktionen auf den anderen können zurückgehalten werden und dadurch die wesentliche Mitteilungen, die wesentlicheren Mitteilungen gemacht werden, die sonst in der zu schnellen Reaktion des Gegenübers untergehen.
  • So können sich beide Partner besser selbst verstehen, besser dem anderen verständlich machen und damit sich gegenseitig wieder näher kommen.

Was kann ein Paar tun, um im Alltag Tabuthemen sinnvoll aufzulösen?

Sie könnten versuchen, ein ähnliches Setting für sich selbst aufzubauen, wie es das Paarcoaching für schwierigere Situationen anbietet. D.h.:

  1. Eine festgesetzte Zeit miteinander verabreden
  2. Beginn und Ende der gemeinsamen Gesprächszeit festlegen
  3. Pünktlich beginnen und enden
  4. Automatische Reaktionen zurückhalten
  5. Nach innen lauschen und über das innerlich Wahrgenommene sprechen
  6. Alle Vorwürfe gegen den anderen nach innen verfolgen und ihren Ursprung finden
  7. Bedürfnisse beschreiben und nicht als Anspruch an den anderen formulieren.
  8. Die Bedürfnisse des anderen nicht sofort als Vorwurf oder Arbeitsauftrag verstehen

Wenn es einem Paar gelingt, diese Verabredung mit sich selbst dauerhaft regelmäßig zu etablieren (mindestens einmal pro Woche), dann wird diese Zeit zu zweit immer mehr zur Qualitätszeit.

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