Veränderungen genießen – oder: Wege aus dem Jammertal

Von Henning Matthaei Twitter | Facebook

Jeden Mittwochmorgen treffe ich eine Gruppe von Selbständigen und Unternehmern zum gemeinsamen Business-Frühstück. Von 7:30 bis 9:00 Uhr teilen wir uns gegenseitig Neuigkeiten aus unseren Arbeitsbereichen mit und sprechen nebenbei über Gott und die Welt. Neulich war das Gesprächsthema die Entwicklung der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft in den nächsten 10 Jahren und wie wir selbst mit den rasanten Veränderungen umgehen wollen. Ich habe am Ende dieses Artikels ein paar einfache Hinweise zusammengestellt, wie sich das Jammertal in ein fruchtbares Tal verwandeln lässt.

Verzicht als Lösung?

Die Kombination der Tugenden Fleiß, Disziplin und Verzicht, die derzeit Hochkonjunktur in den Predigten etablierter Parteien haben, ist eine Erfindung der christlichen Kirchen und schon viele Hundert Jahre alt. Es ist angesichts eines gigantischen Produktivitätszuwachses durch Automatisierung nicht nur sinnlos, dieses Ideale aufrecht erhalten zu wollen, es ist auch gähnend langweilig. Ich schlage eine Alternative vor: Die Kombination von Lust, Inspiration und Fülle verwandelt die Welt. Ich meine damit nicht, dass ich jeden Morgen beim Frühstück von neuem überlegen sollte, ob ich heute Lust habe zu arbeiten. Vielmehr brauche ich sozusagen eine Basis-Lebenslust, die mich in Bewegung versetzt, weil ich das, was ich tue für sinnvoll halte, es mich mit Freude erfüllt und andere Menschen davon profitieren.

Wie erschaffe ich diese Basis-Lebenslust? Woher kommen Inspiration und Fülle? Sie entstammen alle derselben Quelle. Ironischerweise ist es die Fähigkeit, Veränderungen der Lebensbedingungen als vollkommen normalen Bestandteil des Lebens hinzunehmen und kreativ auf sie zu reagieren. Als es für die Nacktschnecken in Spanien zu trocken wurde, aber in Mitteleuropa die Winter milder, wanderten sie in Scharen nordwärts. Jetzt bringen sie Sommer für Sommer meine Frau zur Verzweiflung, weil sie nicht nur Blumen und Erdbeeren sondern sogar unseren Bambus auffressen. Veränderte Lebensbedingungen, prompte Reaktion.

Was uns von diesen Schnecken (unter anderem) unterscheidet, ist unser Wunsch alles festzuhalten, was wir bereits erreicht haben: Lebensstandard, Reichtum, Sicherheit, Versorgung, Einstellungen, Glaubensmuster, Tagesabläufe, einfach alles. Und wir weigern uns auf der anderen Seite wahrzunehmen, welchen Preis wir für unseren Lebensstil zahlen: Hektik, Rastlosigkeit, Einsamkeit, Orientierungslosigkeit, Burnout, Beziehungsunfähigkeit, Sinnlosigkeit, Unzufriedenheit. Das, was ich mit Basis-Lebenslust bezeichne, ist aber genau das Gegenteil, nämlich erfüllte Beziehungen, Gelassenheit im Herzen, Erfüllung mit Sinn durch eine selbst gewählte Aufgabe im Dienste anderer.

Ich stelle einen Teil meiner Beratungszeit Arbeitslosen und Geringverdienern für ein sehr geringes Entgelt zur Verfügung und erarbeite mit ihnen neue Lebenskonzepte. In diesen Konzepten ist zwar auch von Geldverdienen die Rede, aber im Zentrum steht immer der Wunsch danach, von der Gesellschaft gebraucht zu werden. Im Umkehrschluss heißt das, wer sich nicht überlegt, was er der Gesellschaft, der Gemeinschaft zu geben hat, fällt früher oder später in die Sinnlosigkeitsfalle – ob er noch Arbeit hat oder nicht.

Lösungen erfinden und erträumen

Jeder hat die Wahl: Wollen Sie mit einstimmen in das Jammerkonzert oder Ihre eigenen Fähigkeiten und Ideale zur Blüte zu bringen? Krisenzeiten sind Wandlungszeiten und helfen dabei, seinen Hintern aus der Komfortzone herauszubewegen. Hier sind die versprochenen Hinweise:

  • Sammeln Sie gute Nachrichten. Unsere Berichterstattung quillt über von Negativität, Gewalt und Zerstörung. Dies dient unter anderem dem Zweck, die Angst wach zu halten. Tauchen Sie auf aus dieser kollektiven Trance. Werden Sie zum Überbringer guter Nachrichten.
  • Wenn Gefühle wie Angst, Neid, Zorn, Hass oder Mißtrauen in Ihnen auftauchen, besinnen Sie sich auf Ihren Atem: 10 mal tief aus- und einatmen – etwas tiefer ausatmen als einatmen – fühlen Sie das jeweilige Gefühl und entspannen Sie Ihren Geist. Beobachten Sie einfach, wie die Gefühle auftauchen und wieder verschwinden. Wer ist der Beobachter?
  • Prüfen Sie, welche Ihrer Tätigkeiten Sie wirklich sinnvoll finden und suchen Sie nach Wegen, diese sinnvollen Tätigkeiten auszuweiten.
  • Erinnern Sie sich an einen geliebten Menschen aus Ihrer Umgebung, der bereits gestorben ist. Überlegen Sie, ob dieser Mensch glücklich, zufrieden und lebenssatt gestorben ist. Wenn ja: welche seiner Einstellungen können Sie kopieren? Wenn nein: was wollen Sie anders machen als dieser Mensch?

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