Teil 1 der Serie Verständigungskultur widmet sich dem Thema Achtsamkeit und Respekt in der Paarbeziehung.
Teil 2 behandelt das Thema Respektvoller Dialog.
Ein neues Seminar zu einem immer wieder aktuellen Thema

Ohne Achtsamkeit kann es keinen Respekt geben.

Respekt ist die Empfindung, die sich ausbreitet, wenn man achtsam behandelt wird und andere achtsam behandelt.

Was bedeutet es, jemanden achtsam zu behandeln? Wie so oft, ist es sinnvoll bei sich selbst zu beginnen. Bin ich achtsam genug mit mir selbst? Nehme ich wahr, welches meiner Bedürfnisse ich nicht erfülle, welche meiner Grenzen ich zu oft übertrete, welche meiner Zurückhaltungen ich nicht akzeptiere?

Achtsamkeit, wie ich sie verstehe, beschreibt die Fähigkeit, feine Regungen, Gefühle und Ahnungen wahrzunehmen, ihnen aufmerksam zu begegnen und angemessen darüber zu entscheiden, ob ihnen jetzt oder später gefolgt werden soll. Achtsamkeit ist nicht, blind hinter jedem Impuls herzulaufen, den mein sprunghafter Geist hervorbringt. Eher ein freundliches Wahrnehmen, Zustimmen und in Betracht ziehen.

Wird die Achtsamkeit für sich selbst ausgeweitet auf andere Menschen, insbesondere Liebespartner, dann erscheint sie in einer freundlichen Umgangsweise mit den Impulsen und Bedürfnissen des Gegenübers, ohne (!) dass dadurch sofort das eigene Vorhaben oder die eigenen Ideen gestoppt werden.

Genauso wie mich selbst, könnte ich den anderen freundlich wahrnehmen.

Ich könnte zustimmen zu den Gedanken und Empfindungen des Partners, weil er/sie ein Mensch ist, der mir etwas bedeutet. Das heißt ich stimme zunächst dem Wesen als solches grundsätzlich zu und prüfe dann, welche Bedeutung dessen Gedanken und Gefühle für mich haben könnten.

Gleich ob ich einverstanden bin oder im Konflikt damit stehe, könnte es mit Achtsamkeit gelingen, die Gedanken, Gefühle und Wünsche des Partners als gleichwertig und berechtigt anzuerkennen — ohne mich dadurch automatisch in der Pflicht zu sehen, alles zu erfüllen!

Solcher Umgang mit anderen wird auch Respekt genannt.

Wie lässt sich Achtsamkeit üben?

Es gibt verschiedene Zugänge zur Achtsamkeit, von denen ich hier einige zur Auswahl stelle – es sind gewiss nicht alle. Welchen Zugang man wählt, um in eine respektvollere Gestimmtheit sich selbst und anderen gegenüber zu gelangen ist letztlich eine Frage des Geschmacks und der Inspiration.

Meditation: Die klassische Form der spirituellen Traditionen sind Meditation und Gebet. Innerhalb dieses Feldes gibt es zahllose Spielarten, von der puren Sitzmeditation im Zazen über das christliche Herzensgebet oder die körperorientierten Zugänge des Yoga.

Träume: Ein bei uns nur wenig gepflegter aber reicher Zugang zu den feinen Bewegungen des eigenen Gefühlslebens ist das Erinnern von Träumen. Man muss es etwas üben, kann aber mit entsprechender Anleitung bis zum hellsichtigen Klarträumen gelangen und hat damit einen ähnlichen Zugang zu anderen Ebenen des eigenen Bewusstseins, wie es beispielsweise die australischen Aborigines mit ihren dream spots und song lines haben.

Kommunikation: Auch im Gespräch kann man Achtsamkeit üben. Geführte Dialogformen führen dazu, weniger gegeneinander als vielmehr miteinander zu denken und zu empfinden. Diese Art der Gesprächsführung wird im o. g. Seminar zur Verständigungskultur geübt.

In Vorbereitung sind die Artikel 2 und 3 dieser Reihe:
Verständigungskultur 2: Die innere Übersetzung — Was Du hörst ist nicht, was ich sage
Verständigungskultur 3: Projektionen als Teil der Paarbeziehung — Nimm mich, wie ich bin.

2 Kommentare zu “Verständigungskultur 1 – Achtsamkeit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.