5 Tipps für die richtige Sitzordnung in Familien

Ab und zu lassen wir in unseren Beratungen Paare mit Kindern aufzeichnen, wie sie die Positionierung der einzelnen Familienmitglieder zueinander erleben. Häufig lassen sich an dieser einfachen Darstellung bereits größere Konflikte ablesen. Entsprechend kann man auch konfliktmildernd damit arbeiten, indem man die Ordnung dort anschaut, wo sie im Alltag zutage tritt macht und dann abändert, um damit Einfluss auf die Beziehungen der Familienmitglieder untereinanderzu nehmen.

Besonders für Patchworkfamilien ist die Ordnung und Reihenfolge der einzelnen Familienmitglieder ein schwieriges Thema.
Gerade deswegen sollte ihm große Aufmerksamkeit gewidmet werden. Da in Patchworkfamilien manchmal beide Partner Kinder mit in die neue Ehe bringen, können Eltern wie Kinder Frontenbildung oder Orientierungslosigkeit, Mangel an Unterstützung oder schlicht das Gefühl, in dieser Familie keinen Platz zu haben, erleben.

Ein typisches Beispiel für ein Familien-Struktogramm sind Mann und Frau, die sich wie zum Duell gegenüberstehen, während die Kinder dem einen oder anderen als Sekundanten zugeordnet sind. Ein anderes Bild sind Eltern, die sich gegenüberstehen, und ein oder mehrere Kinder befinden sich zwischen ihnen – als ob sie den Konflikt zwischen den Eltern abpuffern sollten.

Sie können es selbst probieren: Zeichnen Sie Ihre innere Wahrnehmung Ihrer Familienstruktur auf ein Blatt Papier. Verwenden Sie Quadrate für männliche Familienmitglieder, Kreise für weibliche; zeichnen Sie die Symbole für die Erwachsenen etwas größer als die für die Kinder. Versetzen Sie sich dann in eine neutrale Position, quasi Vogelperspektive, und überlegen Sie welche Art von Konflikten in dieser Darstellung offensichtlich werden. Überlegen Sie auch, wer sich in dieser Familie möglicherweise isoliert oder ungeschützt fühlt.

Im zweiten Schritt können Sie überlegen, welche Sitzordnung Sie am heimischen Esstisch haben. Nicht selten entspricht das innere Bild auch dem äußeren. Anders gesagt: in Ihrer Sitzordnung kommt Ihr inneres Bild der Familie zum Ausdruck. Im Umkehrschluss lässt sich auf das innere Bild durch eine Veränderung der Sitzordnung Einfluss nehmen. Hier sind fünf Tipps, nach denen Sie Ihre Familiensitzordnung verändern können, um mehr Harmonie in den Familienalltag zu bringen:

  1. Als Partner sollten Sie nicht einander gegenübersitzen, sondern besser nebeneinander. Das kann auch über Eck an einem Ende des Tisches sein.
  2. In den meisten Fällen ist es angebracht, dass die Frau links vom Mann sitzt. Daran im Uhrzeigersinn anschließend kommen die Kinder.
  3. Sortieren Sie Ihre Kinder ihrem Alter entsprechend. Das älteste sitzt rechts und links davon folgen die Geschwister in ihrer natürlichen Reihenfolge.
  4. Wenn Sie ein Kleinkind zu versorgen haben, dass noch nicht selbstständig essen kann, platzieren Sie es nah bei Mutter oder Vater, damit es gefüttert werden kann. Sobald es seinen Löffel gut alleine halten kann, sollte es in die Reihenfolge eingegliedert werden. Von dort wird es auf die Geschwister schauen und von ihnen lernen. Das entlastet die Eltern.
  5. Wenn ein Familienmitglied nicht da ist, sollte der Platz dennoch freigehalten werden. Ob Geschäftsreise eines Elternteils oder Klassenfahrt eines Kindes, der freigehaltene Platz symbolisiert, dass diese Familie auf alle achtet, die dazugehören.

Manchmal wehren sich Menschen gegen eine solche vermeintlich simple Reihenfolge. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass es für die Kinder eine ganz natürliche Vorgehensweise ist. Dadurch dass sie ihren festen Platz bekommen, wird das Gefühl in dieser Familie zuhause und willkommen zu sein bestärkt.

In Patchworkfamilien ergeben sich Sonderfälle. Diese müssen mit Augenmaß angeschaut und passende Lösungen ausprobiert werden. Die folgenden Gedanken sind als Anregungen zu verstehen.

  • Wenn beide Partner Kinder mit in die Ehe bringen und die Kinder dem Alter nach sortiert werden sollen, sitzen die Geschwisterkinder nicht mehr nebeneinander.
    Abhilfe: beide Kindergruppen werden nacheinander sortiert. Das bedeutet, die Geschwister mit dem insgesamt ältesten Kind bilden die erste Gruppe, die anderen die zweite.
  • Wenn nur der Mann Kinder mit in die Ehe bringt, die Kinder aber links neben der Frau sitzen sollen, werden sie auf diese Weise von ihrem Vater getrennt.
    Abhilfe: die Kinder des Vaters rutschen im Uhrzeigersinn einmal rundherum, bis das jüngste neben ihm zu sitzen kommt, die älteren Geschwister rechts neben sich.

2 Kommentare zu “5 Tipps für die richtige Sitzordnung in Familien

  1. Das kann ich gut nachvollziehen.
    „innerlich“ versteht der Mensch solche Strikturen, genau wie er Symbole und Archetypen versteht.
    Es hilft, zu entzerren.

  2. Ich bin bisher davon ausgegangen, daß es gut ist die Plätze ab und zu mal zu tauschen. Ich selber sitzte gerne mal an einem anderen Platz und fühle mich immer wohl dabei. Ich finde die vorgeschlagene Sitzordung, an einem rechteckigen Tisch der nicht freisteht, schwierig umzusetzen. Bei 4 Personen sitzt immer einer als letzter alleine und die Personen können sich nicht miteinander unterhalten ohne über die Köpfe eines anderen zu sprechen. Trotzdem eine gute Anregung sich einmal über die Sitzordung Gedanken zu machen.

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