Patchworkfamilien und Fremdgehen haben nichts miteinander zu tun

Von Henning Matthaei Twitter | Facebook

Internetprovider stellen Daten darüber zur Verfügung, welche Suchbegriffe Webbenutzer verwenden, um auf eine Internetseite gelangen. Die Auswertung dieser Statistik führt bisweilen zu überraschenden Einsichten. Neben den Standard-Suchbegriffen (Eheprobleme, Eheberatung, Paartherapie), die naturgemäß eine sehr hohe Rate erhalten, gibt es auch einige Suchwortkombinationen, die eher indirekt mit unserem Angebot zu tun haben. Über zwei dieser Begriffe möchte ich heute schreiben, damit die Suche nicht umsonst ist.

Kleine Hinweise für Patchworkfamilien

Die Patchworkfamilie ist in unserer Zeit fast schon das Standardmodell der Familie. Es wird ihr jedoch immer noch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Es existieren wenig hilfreiche Anleitungen, auf was eine Patchworkfamilie zu achten hat, um sowohl Partnerschaft als auch den Kindern einen stabilen Container zu bieten.

In der Patchworkfamilie neigen die Partner häufig dazu, vom Anderen Elterndienste zu erwarten. Im Unterschied zur herkömmlichen Familie ist dieser Elterndienst eher ein Liebesdienst für den Partner als für die Kinder. Häufig wird vom neuen Partner erwartet, dieselbe Verpflichtung den Kindern gegenüber zu empfinden wie man selbst. Oder man erwartet die Aufmerksamkeit für die Kinder, die man bei dem Partner vermisste, von dem man sich getrennt hat. Dies ist nicht nur eine Überforderung des neuen Lebensgefährten, sondern auch eine Verwirrung von Zuständigkeiten, die sehr schnell zu Problemen führt.

In einer Patchworkfamilie kommen immer die Kinder zuerst. Beginnt einer der beiden Partner die Kinder des anderen zu kritisieren, ist dies häufig Grundlage für einen ausgewachsenen Streit. In einer Patchworkfamilie muss sich der neue Partner hinten anstellen. Das meint, dass er in der zeitlichen Reihenfolge den Kindern nachgeordnet ist, das genaue Gegenteil von herkömmlichen Familien. Das bedarf der hohen Kunst der Nichteinmischung in die Erziehung der Kinder des Partners. Bemühen Sie sich eine vertrauensvolle und tiefe Beziehung zu ihrer neuen Partnerin/ihrem neuen Partner herzustellen und solange zu warten, bis sie/er um Rat und Unterstützung bei der Kindererziehung bittet.

In einer Patchworkfamilie leben zwei Partner beisammen, die eine Lebensgeschichte hinter sich haben. Nur unter Anerkennung der Lebensgeschichte des anderen und der daraus resultierenden Empfindlichkeiten kann das Patchworkfamilien-Paar sein Glück trotz pubertierender Kinder erhalten.

„Meine Frau geht fremd”

Wenn man den Statistiken folgt, ist es vor allem für Männer ein Problem, wenn Ihre Frau fremd geht. Suchbegriffe wie „Frau geht fremd”, „fremdgehen Ehefrau” oder „meine Ehefrau geht fremd” stehen relativ weit oben in der Häufigkeit der Suchstatistik. Es kann allerdings auch sein, dass für Frauen das Fremdgehen des Mannes in einen umfangreicheren Kontext gestellt wird und dann eher Suchbegriffe wie „Ehekrise” oder „Eheprobleme” verwendet werden.

Dies gibt uns einen Hinweis auf die unterschiedliche Verarbeitung solcher Situationen. Männer können Sexualität in einer Weise betrachten, die sämtliche anderen Beziehungsaspekte ausblendet. Gleichzeitig scheint ihnen der emotionale Boden verloren zu gehen, wenn sich ihre Partnerin einem anderen Mann zuwendet. Zahlreiche Beispiele aus unserer Beratungsarbeit legen den Schluss nahe, dass Männer das Fremdgehen ihrer Frauen vollkommen fehl interpretieren.

In vielen Fällen ist dies der letzte Versuch der Frau, die Aufmerksamkeit ihres Partners zurückzugewinnen. Der Mann fällt aus allen Wolken, fühlt sich persönlich erniedrigt und begreift in in seinem Verletzt- und Beleidigtsein nicht, dass er möglicherweise schon Jahre einen Lebensstil pflegte, in dem sich seine Frau nicht als Frau und Liebespartnerin wahrgenommen fühlte.

Es gibt allerdings auch Fälle, in denen das Fremdgehen als Machtmittel verwendet wird.
Dies geschieht eher in Beziehungen, in denen der Mann eine emotionale Abhängigkeit von der Frau entwickelt hat. Im Grunde ihres Herzens will die Frau nicht, dass er sich abhängig von ihr macht. Die unbewusste Reaktion darauf ist, ihm ihre Macht über seinen Gefühlshaushalt zu demonstrieren, indem sie mit einem anderen ins Bett steigt.

Was ist der Lösungsweg für den Mann, dessen Frau fremdgeht? Grundlegend für beide Fälle ist die emotionale Unabhängigkeit des Mannes. Emotionale Unabhängigkeit bedeutet, seinem eigenen Weg zu folgen und auf diesem Weg Raum für Partnerschaft zu schaffen. Emotionale Unabhängigkeit heißt, seinen Anker tiefer zu werfen und nicht von der Partnerin zu erwarten, dass sie der Fels in der Brandung ist.

Emotionale Unabhängigkeit ist die Grundlage auf der ein Mann sein eigenes Leben, seine Partnerschaft und seine Familie aufbauen kann. Er ist auf dem Holzweg, wenn er versucht, jemand anderes verantwortlich für seine Stimmungslage zu machen. Häufig sagen wir ungenaue Sätze wie „Du machst mich wütend” oder „Du machst mich traurig”. Bei genauerem Hinschauen haben diese Sätze keinen Bestand. Denn Wut oder Trauer produzieren wir selbst als Reaktion auf das, was uns begegnet. Wenn diese Reaktion automatisch geschieht, besitzen wir keine emotionale Unabhängigkeit.

Wer seine automatischen Reaktionen auf das Verhalten anderer kennt und beherrscht, besitzt emotionale Unabhängigkeit. Sie zu erreichen ist ein lohnendes Ziel und führt zur entspannten und liebevollen Beziehungen. Sie können darüber in unserem eBuch „Erfolgreich lieben“ nachlesen oder den Selbstcoaching-Kurs „Geheimnisse glücklich verheirateter Männer“ studieren.

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