Die 6 Schritte, einen Konflikt aufzulösen

Von Henning Matthaei Twitter | Facebook

Ein Konflikt entsteht für gewöhnlich zwischen zwei Menschen, die verschiedene Interessen verfolgen, die nicht miteinander zu vereinbaren sind. Ähnliches gilt natürlich auch für Konflikte zwischen Gruppen, Organisationen oder Staaten. In diesem Artikel werden Konflikte zwischen zwei Personen betrachtet, wobei es keine Rolle spielt, ob sie in beruflicher oder privater Umgebung entstanden sind.

In vielen Fällen ist es so, dass die unterschiedliche Interessenlage sehr eindeutig ist. Der eine will hier entlang, die andere da entlang. Fertig ist der Konflikt und wenn nicht einer von beiden nachgibt, bleibt er bestehen, häufig auch über den Moment der Entscheidung hinaus.

In anderen Situationen dagegen wollen – oberflächlich gesehen – beide Partner dasselbe. Auf der weniger offensichtlichen Ebene geht es aber darum, wer den Ton angibt, die Macht oder die Reputation hat, oder einfach nur, wer von beiden sich besser positionieren kann. Manchmal ist die Ursache auch, dass ein unglücklicher Mensch es nicht aushält, dass es dem anderen augenscheinlich so gut geht – und ein Konflikt wird quasi erfunden.

Manchmal machen Partner auch die überraschende Feststellung, dass sie über sicher geglaubte Gemeinsamkeiten ganz unterschiedlicher Ansicht sind. Diese dritte Art von Konflikten ist vor allem in Partnerschaften häufig anzutreffen und taucht dann auf, wenn über wichtige Beziehungsthemen nicht ausreichend kommuniziert wurde. Ursache ist häufig die Angst vor unangenehmen Antworten oder auch, dass man geglaubt hat, das Thema sei schon besprochen oder der andere hätte schon verstanden, was gemeint ist.

Übliche Umgangsformen mit Konflikten sind Ausweichen, Klein-Beigeben oder Einschlafen. Es ist erstaunlich, wieviel Menschen aushalten und sich gefallen lassen. Statt dass wirkliche Lösungswege beschritten werden, versucht man sich unsichtbar zu machen, nichts wahrzunehmen, den Konflikt vor sich und anderen herunterzuspielen, sich die Decke über den Kopf zu ziehen oder denselben in den Sand zu stecken. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die sich einen Kleiderbügel ins Jacket stecken und ihren inneren Bulldozer aktivieren.

Um einen Konflikt dauerhaft aus der Welt zu räumen, können Sie das folgende 6-Punkte-Programm verwenden. Es fordert nicht mehr und nicht weniger von Ihnen, als ehrlich und konsequent zu sein. Die hier vorgestellte Vorgehensweise setzt voraus, dass beide Seiten an einer produktiven Konfliktlösung interessiert sind. Idealerweise geben Sie Ihrem Gegenüber vorher diesen Artikel zu lesen und bitten darum, eine auf diese Weise strukturierte Klärung anzugehen.

  1. Lassen Sie sich von Ihrem Gegenüber so vollständig wie möglich die Situation aus seiner Sicht erklären. Versetzen Sie sich vorher in eine möglichst entspannte Stimmung, in der es Ihnen möglich ist, dem anderen einen weiten Raum zu bieten. Unterbrechen Sie nicht, hören Sie zu und stellen Sie lediglich Verständnisfragen. Diskutieren Sie keinesfalls, auch wenn es Ihnen total stinkt, was der andere sagt. Unterlassen Sie jede Form von Kommentaren, auch Mimik und Gestik haben hier nichts zu suchen. Hören Sie solange zu, bis Ihr Gegenüber von sich aus sagt, dass er alles mitgeteilt hat.
  2. Falls Ihr Gegenüber Sie jetzt danach fragt, wie Sie die Sache sehen, bitten Sie darum, dass er/sie Ihnen solange zuhört, bis Sie alles gesagt haben. Wenn er/sie vorher diesen Artikel gelesen hat, sollte das kein Problem sein, da Sie sich bereits auf eine Grundlage geeinigt haben. Teilen Sie insbesondere auch Ihre eigene Befindlichkeit mit, soweit es in der Situation angemessen erscheint. Achten Sie darauf, von sich selbst zu sprechen: wie es mir geht; was ich dazu denke; was ich glaube, was geschehen sollte. Vermeiden Sie jede Art Urteil über den Anderen bzw. die Andere – beschreiben Sie immer nur Ihr eigenes Denken und Erleben.
  3. Wiederholen Sie jetzt die Schritte 1 und 2 mit der Fragestellung: „Was willst Du wirklich?“ (bzw. „Worum geht es für Sie?“) Dieser Schritt ist der wichtigste während der gesamten Konfliktlösung. Er funktioniert nur dann, wenn sich beide Seiten erlauben, auch Motivationen mitzuteilen, die möglicherweise „off the road“ sind. Wenn Sie es gründlich machen wollen, stellen Sie sich die Frage wechselseitig, solange bis Sie das Gefühl haben, den wesentlichen Kern zum Ausdruck gebracht zu haben.
  4. Überprüfen Sie, was Sie davon haben, den Konflikt aufrecht zu erhalten. Menschen tun alles, was sie tun aus einer Motivation heraus. Für alles gibt es einen Grund, warum wir es tun. Dieser Grund ist manchmal offensichtlich und manchmal verborgen. Prüfen Sie für sich selbst, was Sie davon haben, wenn Sie weiter in diesem Konflikt verharren.
  5. Fragen Sie sich dann, was es Sie kostet, wenn Sie den Konflikt aufrecht erhalten. So wie wir uns von dem, was wir tun, etwas versprechen, so kostet es immer auch einen Preis. Wenn Sie genau wissen, welchen Preis Sie dafür zahlen würden, in dem Konflikt zu bleiben, können Sie eine Entscheidung treffen, ob es das wert ist.
  6. Bedanken Sie sich bei Ihrem Gegenüber für die Auseinandersetzung. Meinen Sie Ihren Dank wirklich: für die Mitteilungen, für das Zuhören, für den Mut sich zu zeigen. Im besten Fall haben Sie beide eine Erkenntnis darüber gewonnen, wie Sie sich gegenseitig dabei unterstützen können, Ihre jeweiligen Ziele leichter zu erreichen.

Manche Konflikte sind bereits so festgefahren, dass sie nicht ohne Moderation von außen lösbar sind. Wir haben viele Jahre Erfahrung in der Begleitung von Menschen durch Klärungsprozesse und können Ihnen wahrscheinlich helfen, wenn Sie sich in einer solchen Sitation befinden. Sehr beliebt ist beispielsweise unser Paarcoaching. Eine Übersicht über alle Angebote finden Sie auf der Seite „Unsere Angebote“.

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