Stirbt das Gespräch, stirbt auch der Sex

Warum Paaren die Lust vergeht.

Lust aufeinander ensteht aus großer Offenheit füreinander und der Bereitschaft, sich auch in der Seele intim berühren zu lassen. In vielen Beziehungen schwindet diese Bereitschaft nach einiger Zeit – wir sagen dann, dass die Schmetterlinge im Bauch nicht mehr fliegen.

Eine gute Möglichkeit, die Liebeskraft wieder zum Fließen zu bringen, sind regelmäßige sogenannte wesentliche Gespräche. Der verstorbene Psychologe und Paartherapeut Lukas Moeller hat diese Technik ausführlich in mehreren Büchern dargestellt. So zum Beispiel „Erotische Zwiegespräche – Ein Elixier für Paare” oder „Die Wahrheit beginnt zu zweit”.

Hier sind einige Grundregeln für effektiven Paargespräche:

  1. Ein fester Termin pro Woche. Barack Obama ist mein neues Vorbild für erfolgreiche Paarbeziehungen. Selbst während des intensiven Wahlkampes, der sich über 1 1/2 Jahre hinzog, traf er sich jeden Freitag abend mit seiner Frau zum Essen und beide haben ausführlich miteinander gesprochen. Dieser Termin war frei von Politik und Öffentlichkeit – ein Raum nur für die Paarbeziehung.
  2. Jeweils mindestens 60 maximal 90 Minuten. Um wirklich zum wesentlichen Stoff vorzudringen braucht man Zeit. Wer sich nur 10 Minuten Paarzeit gibt, hat kaum eine Möglichkeit, in die Tiefe zu gehen. Für erfülltere Sexualität in langfristigen Beziehungen ist allerdings der Aufbau von größerem Vertrauen und besserem Verständnis des Partners eine wichtige Grundlage. 90 Minuten als Obergrenze nimmt Rücksicht auf die maximale Konmzentrationsfähigkeit.
  3. Ausgefallene Gespräche werden nachgeholt. Wenn einmal ein Paargespräch ausgefallen ist, ist es wichtig, den Ausfall nachzuholen. Allerdings sollte man nur bis zu 2 Stunden je Woche nachholen. Wenn es also einen zweiwöchigen Ausfall gegeben hat, ist es auch sinnvoll sich zwei Wochen Zeit für das Aufholen zu nehmen.
  4. Alles, was auftaucht, sollte aussgesprochen werden. Dieser Punkt ist der schwierigste und wichtigste. Trauen Sie sich ehrlich zu werden. Dabei ist immer zu beachten, das eigene Erleben zu beschreiben anstatt dem Anderen Vorwürfe zu machen.

Die häufigsten Fehler in effektiven Paargesprächen:

  1. Das Wesentliche wird nicht oder erst kurz vor Schluss gesagt. Manchmal sind Paare so vorsichtig, dass sie einfach nicht mit dem herauskommen, was ihnen wirklich unter den Nägeln brennt. Dann lässt höchstens einer von beiden kurz vor Schluss eine Bombe platzen und beide beschließen innerlich, solche Gespräche lieber nie wieder zu führen.
  2. Die Termine werden verschoben. Zuerst nur verschoben und dann ganz sein gelassen. Terminverschiebungen sollten die Ausnahme bleiben. Machen sie aus diesem Treffen einen Termin, der so wichtig ist wie das nächste Personalgespräch. Man lässt den anderen einfach nicht warten – schon aus Schutz der eigenen Interessen.
  3. Es hagelt Vorwürfe anstatt das Selbsterforschung betrieben wird. Sie sollten lernen, Selbstporträts voneinander auszutauschen. Viele Paare gehen stillschweigend davon aus, dass der andere schon versteht, was in ihnen vorgeht. Unsere Erfahrung ist immer wieder, dass das nicht stimmt. Erklären sie sich Ihrem Gegenüber so detailliert wie möglich. Die Selbsterklärung hilft im Übrigen sehr dabei, sich selbst besser zu verstehen.
  4. Man hört nicht richtig zu. Vermeiden Sie es, sich gegenseitig ins Wort zu fallen. Lassen Sie den anderen ausreden, zuende sprechen. Selbst wenn Ihr Partner/Ihre Partnerin 10 Minuten reden sollte, irgendwann ist es vorbei. Haben Sie in dieser Zeit intensiv zugehört und verstanden, was in Ihr/ihm vorgeht, dann haben sie erheblich zu einer Vertiefung der Paarbeziehung beigetragen.

Wie Sie sofort mit effektiven Paargesprächen anfangen können:

  1. Legen Sie gemeinsam einen Termin fest. Tragen Sie den Termin in alle Kalender ein, die sie haben. Mrkieren Sie den Termin als Priorität A. Blocken Sie den Termin weiter im Voraus als alle beruflichen Termine jemals gesetzt werden.
  2. Sorgen Sie für einen ungestörten Raum. Telefon abstellen, Handy ausschalten, Kinder vom Babysitter versorgen lassen. Radio und Fernseher aus, Computer sowieso.
  3. Erlauben Sie sich Abwehr und Unsicherheit zu spüren. Diese direkte Konfrontation mit dem Anderen erzeugt häufig Unsicherheit, manchmal sogar Angst. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Wenn wir uns so ausschließlich auf den Partner einlassen, ist die daraus entstehende Nähe bisweilen unangenehm oder unheimlich. Sprechen Sie über diese Wahrnehmungen und erleben Sie wie sich die Angst im Laufe der Monate in prickelnde Anziehungskraft verwandelt.
  4. Geben Sie sich Zeit. Unsere Lebensart lässt wenig Raum für Langsamkeit. Daraus resultiert eine Gnadenlosigkeit gegenüber uns selbst. Insbesondere, wenn wir etwas noch nicht können, werden wir sehr kritisch gegenüber uns selbst. Manchmal wird diese Kritik auch auf den anderen verschoben. Effektive Paargespräche sind keine Hauruck-Methode. Dafür sind sie langanhaltend wirksam und wohltuend.
  5. Verwenden Sie das erste Gespräch, um Für und Wider dieser Methode zu besprechen. Erlauben Sie Skepsis, Angst und Widerstand da zu sein und kommunizieren Sie darüber. Indem wir Beobachter unserer Gefühle (auch der unangenehmen) werden, werden wir allmählich Herr über die eigene Innenwelt. Gefühl und Wahrnehmender werden differenziert und dadurch wird das Gefühl akzeptabler und man ist ihm weniger ausgeliefert.

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