Männer auf Messers Schneide

Vor kurzem bekam ich eine Rückmeldung zum Artikel »Was ist männliche Essenz« mit der Bitte, den Weg dorthin genauer zu beschreiben. Dem komme ich hiermit nach:

Männliche Essenz wie ich sie verstehe, ist ein bewusstes Aussteigen aus den Komfortzonen, die wir uns in unserem Leben immer wieder einzurichten suchen. Männliche Essenz ist bereit, zugunsten größerer Wahrhaftigkeit, tieferer Verbundenheit und umfassenderer Einsicht Schwierigkeiten, Ausnahmesituationen, unangenehme und bedrohliche Auseinandersetzungen auf sich zu nehmen. Männliche Essenz leugnet nicht die Schwierigkeiten, die das Leben mit sich bringt, sondern entwickelt im Gegenteil einen Geisteszustand, in dem alle Vorkommnisse GLEICH GÜLTIG sind. Aus dieser Haltung heraus kann der gereifte Mann Anderen zur Seite stehen.

Ich habe hier drei Wege zusammengestellt, die die Erforschung der eigenen männlichen Essenz voranbringen. Es sind: Einsamkeit, Gemeinschaft mit anderen Männern und das Entdecken der eigenen Gabe für die Welt.

Einsamkeit – im Frieden mit sich selbst

Auf welche regelmäßige Droge könnten Sie am schwierigsten verzichten (z.B. Süßigkeiten, Alkohol, Fernsehen, Sex, Arbeit, Aufmerksamkeit, Publikum, gebraucht werden)? Wenn Sie Ihre Hauptdroge identifziert haben: Welche Zeitdauer ohne diese Droge glauben Sie nicht überstehen zu können? Verdoppeln Sie diese Zeit und setzen Sie sich diesem bewusst gewählten Schmerz aus, verzichten Sie doppelt so lange auf Ihre Hauptdroge wie Sie glauben es aushalten zu können und beobachten Sie, wie Ihre Persönlichkeit zunächst wankt, dann nachgibt und schließlich gestärkt und tiefer in Ihrem Sein verwurzelt aus dieser Reifeprüfung hervorgeht.

Achten Sie darauf, nicht nahtlos die eine durch die andere Droge zu ersetzen. Ideal ist eine fremde Umgebung, die diese Haltung unterstützt, beispielsweise ein christliches Kloster wie Kloster Nütschau bei Bad Oldesloe oder ein buddhistisches Meditationszentrum wie die Zenklausen in der Eifel. Größere Linksammlungen finden Sie bei Kloster auf Zeit. Sehr empfehlenswert ist aber auch ein mehrtägiger Aufenthalt in der Natur, natürlich ohne Bücher, Radio, Handy…

Ihr Geschenk, Ihre Gabe für die Welt

Wovon haben Sie als Kind schon geträumt, was Sie einmal tun wollten? Haben Sie es je getan? Wenn nein, warum nicht? Werden Sie es tun? Wann?

Welches Vorhaben, welchen Traum haben Sie einmal zugunsten einer Frau aufgegeben? Sind Sie dadurch in der Achtung dieser Frau gestiegen? Wie wirkt sich dieser Verzicht auf ihre männliche Essenz aus – Ihrer eigenen Einschätzung nach? Würden Sie noch einmal darauf verzichten?

Was ist der größte Schmerz, den Sie in Ihrem Leben erfahren haben? Wenn Sie sich vorstellen, dass viele Menschen unter einem ähnlichen Schmerz leiden (was sehr wahrscheinlich ist): Was könnten Sie tun, um diesen Menschen zu helfen? Aufgrund Ihrer eigenen Erfahrung haben Sie besondere Einsicht in die Situation dieser Menschen.

Ihre Gabe für die Welt herauszuarbeiten, ist der Schlüssel zur männlichen Essenz. überprüfen Sie alles, was Sie tun auf den Gehalt Ihrer Gabe hin. Können Sie sie in Ihrer täglichen Arbeit wiederfinden? Haben Sie eine Freizeitaktivität, in der Sie sie verwirklichen? Beenden Sie Ihre Zeitverschwendung und finden Sie heraus, was es ist. Sie zeigt sich zunächst vielleicht nur diffus, bei anhaltender Aufmerksamkeit aber immer klarer. Die vielleicht wichtigste Frage zur Entdeckung Ihres Geschenks an die Welt lautet: «Was will ich noch erreichen, bevor ich sterbe?»

Gemeinschaft mit Männern

Haben Sie Freunde? Fordern diese Freunde Sie auf, immer wahrhaftiger zu werden, offener, ehrlicher, mutiger? Stellen diese Freunde Sie mit männlicher Kraft auf die Probe? Schneiden Sie Ihnen das Wort ab, wenn Sie Unsinn reden? Sind Ihre Freunde darauf aus, Mitgefühl und Weisheit zu entwickeln und zu ihrer Handlungsgrundlage zu machen? Unterstützen sie Sie dabei, Ihr Geschenk für die Menscheit zu entdecken und auszuteilen?

Wenn Sie solche Freunde nicht haben, wünschen Sie sich welche? Wenn Sie sich solche Freunde wünschen, wo könnten Sie sie finden?

Jeder dieser drei genannten Bereiche bekommt in unserer Gesellschaft zu wenig Aufmerksamkeit. Entsprechend schlecht ist es um die Präsenz echter männlicher Essenz bestellt. Wer sich dafür entscheidet, es damit zu versuchen, muss sich darüber klar sein, dass er sich aus dem gesellschaftlichen Schwerpunkt herausbewegt und stärker auf sich selbst gestellt ist als zuvor. Natürlich gibt es Mitstreiter und Weggefährten. Aber es gibt auch eine gesellschaftliche Masse, die alles drei für Blödsinn hält. Das sollte man wissen, bevor man losgeht, und in jedem Moment prüfen, ob man gerade der eigenen inneren Stimme folgt oder dem Gerede der anderen.

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