Gestern abend war großer Bahnhof für Wim Wenders im Koralle-Kino in Hamburg-Volksdorf. Er kam, um seinen neuen Film »Don’t come knocking« vorzustellen. Als fotografierender Anhang der Stellvertreterin des Kinobetreibers, meiner Frau, durfte ich nun neben dem großen Filmemacher im Koralle-Bistro sitzen und machte ein paar überraschende Beobachtungen:

Ich konnte z.B. beobachten, dass der Regisseur der großen Bilder, den Menschen nicht gerne in die Augen sieht. Auf mich wirkte er fahrig, unkonzentriert und irgendwie abwesend. Zum Abschied gaben wir uns zwar die Hand, aber sein Blick war schon wieder weg, irgendwo im Off. Wie war das? Die Hauptfigur im Film stellt nicht Wim Wenders dar? Offensichtlich schon, wenn es um die Schwierigkeiten geht, wirklich Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen.

Ich hatte erwartet, dass der Regisseur eines Filmes, der so viel Mitgefühl für die Schicksale der Frauen zeigt, als Mann eine kraftvollere, präsentere Erscheinung wäre. Insofern bin ich meinen Projektionen aufgesessen. Eine Enttäuschung ist ja eine Ent-Täuschung. Da habe ich mich getäuscht mit der Annahme, dass ein großer Künstler auf der menschlichen Ebene ebenso außergewöhnlich sei.

Und ich war auch überrascht von dem großen Buhei, was um ihn herum gemacht wurde. »Herr Wenders, Herr Wenders …«, so haben wir in der Grundschule um die Aufmerksamkeit des Lehrers gebuhlt. Nur zur Erinnerung, Promis müssen auch aufs Klo, Promis sind Scheinriesen wie in der Geschichte von Jim Knopf: Je näher Du ihnen kommst, desto kleiner sind sie. Wenn man neben ihnen steht, sind sie ganz gewöhnliche Menschen.

Übrigens mag ich seine Filme sehr gerne.

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