Von Fröschen, Prinzen und echten Helden

Was treibt uns dazu, Aufstieg und Erfolg als einzige Messgrößen unseres Lebens zu sehen und die Fähigkeit zu freundschaftlichem Kontakt, liebevollem Umgang mit Partnern und Kindern, Zeit für sich selbst und die eigene geistige, künstlerische und spirituelle Reifung hinten anzustellen? Warum hat uns nie jemand gesagt, dass man von Geld nicht satt werden und dass Besitz keine emotionale Sicherheit gibt?

Wann ziehen wir einmal die Rüstung aus? Neulich habe ich ein Seminar für Führungskräfte gegeben, in dem mehr als ein Mann von sich sagte, er habe in seinem normalen Alltagsleben selten bis nie die Gelegenheit, über tiefere persönliche Angelegenheiten zu sprechen. Auf der Karriereleiter nach oben gingen irgendwie die persönlichen Freunde verloren, sei es durch Zeitmangel oder dadurch, dass man sich keine Blöße geben mochte, um den Aufstieg nicht zu gefährden.

Wir haben von niemandem lernen können, wie gesunde Beziehungen geführt werden. Auch in unserer [tag]Paarberatung[/tag] müssen wir immer wieder erkennen, dass die Vorbereitung auf das Leben durch Eltern und Schule wesentliche Dinger ausklammert. Dazu gehört beispielsweise eine Ausbildung im Führen von Paarbeziehungen, eine Ausbildung in Elternschaft und eine Ausbildung in Begleitung kranker, sterbender oder auf sonstige Weise leidender Mitmenschen.

Dieser Mangel an Fähigkeiten ist insbesondere für Männer unpassend. Denn während sie einerseits den Anspruch auf Führung von Wirtschaft und Gesellschaft erheben, tragen sie häufig eine emotionale Unreife mit sich herum, die ihnen selbst und anderen das Leben schwer macht. Emotionale Unreife führt zu Mangel an Mitgefühl.

Führung anderer Menschen ist nur in Kopplung mit ausgeprägtem Mitgefühl gesund. Doch gerade diese Verbindung fehlt auf den Lehrplänen unserer Schulen. Deshalb nimmt es nicht wunder, dass die Jungen und junge Männer eine Problemgruppe darstellen, mit der die Gesellschaft schlecht oder gar nicht zurechtkommt.

Man kann es in allen Zeitschriften lesen, dass die [tag]Männer[/tag] auf dem absteigenden Ast sitzen. Männer haben nicht nur eine geringere Lebenserwartung, sondern sie versagen bereits beim Start in dieses Leben. Jungs sind schlechter in der Schule, brechen diese häufiger ab, werden schneller gewalttätig und berauben sich auf diese Weise ihrer Chancen. Andere passen sich so sehr an die Erwartungen anderer an, legen ihre Eigenmacht zur Seite, dass sie später gar nicht mehr wissen, was sie selbst wollen. So werden sie Träger einer unflexiblen und uninspirierten Status Quo Mentalität.

Wir brauchen eine Kultur verantwortungsvoller [tag]Mentoren[/tag]schaft. Man kann es in vielen ursprünglichen Kulturen heute noch beobachten, dass die älteren Männer sich der Jüngeren annehmen und ihnen eine Einweisung in das erwachsene Männerleben geben. Diese Einweisung ist häufig gekoppelt an Initiationsriten, die bisweilen martialisch ausschauen, aber für die Jungen das Ende der Kindheit klar markieren. Bei den Massai beispielsweise müssen die Jugendlichen dann oft mehrere Jahre außerhalb des Dorfes in Jungmännergruppen alleine zurecht kommen, bis es ihnen gestattet ist, als gereifte Männer ins Dorf zurückzukehren.

Dieser initiatische Einsatz der älteren Männer für die jüngeren ist in unserer Kultur vollkommen eingeschlafen. Vielmehr herrscht bei uns eine Konkurrenz zwischen alten und jungen Männern. Es gibt wenig Respekt für die [tag]Lebenserfahrung[/tag], die ältere Männer gesammelt haben. Es gibt wenig Respekt für das jugendliche Feuer, das viel Wärme verströmen kann, sofern einem gezeigt wurde, wie man es sicher begrenzen und an einem Platz halten kann.

Die Ursache für die Respektlosigkeit gegenüber den unterschiedlichen männlichen Qualitäten in verschiedenen Lebensaltern liegt auch in der Unfähigkeit Entwicklungshierarchien zu identifizieren und anzuerkennen. Ein Achtzehnjähriger ist in den meisten Fällen noch nicht fähig, eine Familie zusammenzuhalten. Dennoch wird ihm völlige sexuelle Freizügigkeit zugesprochen. Ich möchte sie ihm auch nicht absprechen, aber ich will auf die Verantwortung der älteren Männer in seiner Umgebung hinweisen, die ausführlich und eindringlich mit ihm darüber sprechen müssten, dass Sex mit einer Frau die Möglichkeit einer Schwangerschaft mit sich bringt.

Genauso benötigen Männer, die über 30 sind und immer noch in der Hoffnung die einzig richtige zu finden von Frau zu Frau hüpfen, ein wenig Nachhilfeunterricht. Auch diese Männer träumen häufig von einer Familie, wollen aber nichts von Bindung und Verantwortung wissen. Sie hätten früher schon lernen können, dass die Grundlage einer Familie eine stabile [tag]Mann-Frau-Beziehung[/tag] ist. Grundlage einer stabilen Mann-Frau-Beziehung wiederum ist die [tag]emotionale Autonomie[/tag] möglichst beider Partner, zumindest aber des Mannes.

Eine kleine Übung, um mehr emotionale Autonomie zu entwickeln

  1. Machen Sie eine Liste der 20 wichtigsten Werte, die für Sie in Ihrem Leben eine Rolle spielen. Solche Werte können zum Beispiel Unabhängigkeit, Freiheit, Großzügigkeit, Achtsamkeit, Klarheit, Durchsetzungskraft, Macht, Einfluss, Unbeirrbarkeit oder Verbundenheit sein.
  2. Sortieren Sie diese Liste, indem Sie die wichtigsten nach oben und die weniger wichtigen nach unten sortieren. Sobald die Rangfolge fertig ist streichen Sie die letzten fünfzehn. Sortieren Sie die obersten 5 noch einmal, bis Sie eine Liste von 3 Top-Werten haben, an denen Sie sich immer ausrichten können.
  3. Listen Sie nun Ihre derzeit 10 wichtigsten Vorhaben auf. Ob Familie oder privat – in beiden Sphären gibt es Dinge, die besonders viel Aufmerksamkeit fordern. Die Einschulung des Sohnes, das neue große Projekt, der Hausbau, der nächste Urlaub. Auch hier können Sie zuerst eine längere Liste zusammenstellen und dann mit den 10 Top-Vorhaben weiterarbeiten.
  4. Überprüfen Sie inwiefern Sie in jedem dieser 10 Vorhaben Ihren drei wichtigsten Werten folgen. Prüfen Sie, wo Sie etwas verändern müssen, um näher an Ihr Ideal heranzukommen. Gibt es Projekte, die überhaupt nicht zu Ihren Einstellungen passen?

Wieso stärkt diese Übung Ihre emotionale Autonomie? Wir sind überall dort gebunden, wo wir fremde Einstellungen höher als unsere eigenen werten. Je klarer die eigene Einstellung ist, desto leichter fällt es, eine Entscheidung zu treffen, die vielleicht keine Konsens-Fähigkeit hat, dafür aber 100% im Einklang mit Ihrem Inneren steht.

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