Passen wir zusammen?

Oder ist es ein hoffnungsloses Unternehmen, den Wunsch nach Geborgenheit und die Lust auf Freiheit zusammenzuzwingen? Wenn offensichtlich nicht einmal guter Sex ausreicht, was brauchen Männer und Frauen dann, um miteinander auszukommen?

Eine alte Volksweisheit sagt:

„Wenn eine Frau einen Mann heiratet,
dann glaubt sie,
daß er sich verändern wird,
aber er tut es nicht.
Wenn ein Mann eine Frau heiratet,
dann glaubt er,
sie bleibt wie sie ist,
aber sie tut es nicht.“

Die Scheidungsrate senken: Das Geheimnis des Zusammenlebens von Mann und Frau

Leider erfahren die meisten Menschen diese Wahrheit erst, wenn sie bereits verheiratet sind oder sich auf eine feste Partnerschaft eingelassen haben. Die meisten Männer und Frauen, die zusammenleben, sind viel zu wenig darauf vorbereitet worden, dass es im Zusammenleben von Männern und Frauen einige schwierig zu umschiffende Klippen gibt. Wenn ich im folgenden allgemeine Aussagen über Männer und Frauen mache, bitte ich darum, diese als Annäherungen zu betrachten und nicht als ausschließliche Wahrheit.

Wenn man weiß, daß für das Leben in einer Partnerschaft beinahe keine Vorbereitungen mehr getroffen werden, dann kann die hohe Scheidungsrate kaum noch überraschen. Idealerweise sollten Männer und Frauen vor Beginn einer langfristigen Beziehung eine Art Vorbereitungsphase für die Partnerschaft durchlaufen. Wir machen Führerscheine, um im Straßenverkehr keine Gefahr für uns selbst oder für andere darzustellen. In die Beziehungen zum anderen Geschlecht geraten wir dagegen meist ohne hilfreiche Hinweise von erfahrenen und in zwischenmenschlichen Beziehungen erfolgreichen Vorbildern.

„Der erste Kontakt mit Autorität geschieht in Beziehung zum „Vater Image“. Das Vater Image ist die Anwesenheit des ersten größeren Gebers und Vollstreckers von Regeln im Leben eines Individuums.“, schreibt Ron Smothermon in seinem „Mann/Frau Buch – Die Transformation der Liebe“. Er führt uns mit diesem Satz mitten in das Dilemma nicht funktionierender Partnerschaften.
Denn: „Die Fähigkeit, mit dem Vater Image klarzukommen, ist abhängig von der Erfahrung, geliebt zu werden von der Person, die die Rolle des Vater Image ausfüllt. Deshalb ist die anspruchsvolle Fähigkeit, die entwickelt werden muss, die Fähigkeit, zu erfahren geliebt zu werden. Dies unterscheidet sich von dem Umstand des Geliebt-werdens. Der Umstand des Geliebt-werdens ist irrelevant für die Person, die das Geliebt-werden nicht erfahren kann.“ Auf Deutsch also: Meine Partnerin/mein Partner kann sich noch so abmühen mir ihre/seine Liebe zu zeigen, wenn ich auf dem Kanal eine Störung habe, werde ich immer im Vorwurf steckenbleiben: „Du liebst mich nicht.“

„Du liebst mich nicht“, ist der häufigste ausgesprochene und unausgesprochene Vorwurf zwischen Männern und Frauen.

Dabei vergessen wir erstens, dass der andere nicht dazu verpflichtet ist, uns zu lieben, und zweitens, dass wir ohne die Fähigkeit zur Selbstliebe, oder, wie Smothermon es ausdrückt, ohne das Geliebt-werden erfahren zu können, eh nichts von der Liebe bei uns ankommen lassen könnten. Die eigentliche Kommunikation in diesem Satz lautet: „Ich verstehe mich selber nicht, und ich will keine Verantwortung dafür übernehmen.“

Passen wir nicht zusammen?

Passen also Männer und Frauen nicht zusammen?

Ein deutliches Jein fällt mir dazu als Antwort ein. Männer und Frauen, die ein Stück innerer Reifungsarbeit vollzogen haben und die Verantwortung für ihr eigenes Gefühl des Nicht-geliebt-werdens übernehmen, haben die Möglichkeit miteinander glücklich zu sein. Voraussetzung dabei ist, die Empfindlichkeit des anderen auf diesem Gebiet wahrzunehmen und entsprechend vorsichtig zu agieren. Wer keine Verantwortung für sein eigenes Seelenleben übernehmen mag, wird voraussichtlich den Menschen, die ihm eigentlich am Herzen liegen viel unnötiges Leid zufügen.

Die Grundbedürfnisse von Männern und Frauen: Freiheitsdrang oder Austausch und Verbundenheit?

Dem Freiheitsdrang auf der einen Seite steht das Bedürfnis nach kontinuierlichem Austausch entgegen. Männer ziehen sich häufig zurück und wollen in Ruhe gelassen werden, wenn es ihnen schlecht geht. Dagegen fühlen sich die meisten Frauen brüskiert, wenn ein Mann davon ausgeht, er müsse seine Frau einfach nur alleine lassen, wenn sie schlecht drauf ist. Sie möchte, dass jemand nachfragt, Anteilnahme und Aufmerksamkeit für ihr Problem zeigt. Wenn er aber nun seine Werkzeugkiste auspackt, um ihr Problem mit vielen guten Ideen aufzulösen, ist sie häufig in Alarm, weil sie sich gar nicht richtig wahrgenommen fühlt. (Ich habe allerdings im Paar-Coaching auch schon Paare gesehen, die diese Rollen getauscht haben.)

Die Lösung liegt bei den Männern. Ich beobachte in meiner Arbeit immer wieder: Wenn ein Mann bereit ist, seine Beziehungen zu sortieren, indem er sich über seine Werte und seine Lebensausrichtung klar wird, dann hat dies einen heilsamen Einfluss auf seine Partnerschaft. Die meisten Frauen nehmen diesen Impuls dankbar auf. Dies ist die gute Nachricht, denn Männer haben in der ganzen Welt bei weitem die meiste Macht und den größten Einfluss auf das Wohlergehen von Frauen und Kindern. Wir (die Männer) könnten also sofort losgehen und durch bewusste Beziehungsarbeit die Welt grundlegend verändern. Die schlechte Nachricht: Meistens fühlen sich eher die Frauen für die Pflege von Beziehungen zuständig.

Hier sind einige Hinweise wie Männer ihre Beziehungsfähigkeit pflegen können…

Arbeiten Sie mit folgenden Fragen:
Wie kann ich mich selbst mehr anerkennen, wertschätzen und freundlich behandeln?
Wer bin ich, jenseits von dem was ich mache?
Welche meiner Qualitäten sollen der Nachwelt in irgendeiner Form erhalten bleiben?
Was kann ich tun, um mehr bei mir zu sein?
Wie schaffe ich Raum, in dem sich andere sicher und geborgen fühlen?

Dies ist ein Ausschnitt aus einem Gedicht meines Mentors Greg Campbell

Hoffentlich umfaßt die Vision des Mannes auch seine Frau.
Falls nicht, so ist es keine gereifte Vision.
Obwohl – selbst wenn sie seine Frau umfaßt –
seine Vision nicht selbstverständlich reif ist.
Jeder Mann ist dazu bestimmt,
seine Vision sein Leben lang zur Reife zu bringen.

Alles, was die Frau zu tun braucht,
ist zu lernen,
sich in die Partnerschaft hinein zu entspannen.

Ein paar Empfehlungen für achtsames Zusammenleben von Männern und Frauen.

Diese Sätze sind in einem Workshop für Paare entstanden. Männer und Frauen haben nach Geschlechtern getrennt die Frage beantwortet: „Was ist es, was Du Deiner Frau/Deinem Mann schon immer einmal sagen wolltest?“ Sie sind eine Art Essenz dessen, was die Grundlage einer harmonischen Partnerschaft ausmachen kann.

Botschaften der Männer an die Frauen

  • Nimm es nicht so genau
  • Respektiere, dass Männer mit Kindern anders umgehen
  • Ich werden mich im Laufe der Zeit ändern – so wie es für mich selbst richtig ist.
  • Du kannst mir vertrauen, nicht deinen Erwartungen an mich.
  • Ich wünsche mir, das Leben mit dir zu teilen.
  • Ich brauche auch Zeit für mich; das hat nichts mit dir zu tun.
  • Sag mir, was du willst, und nicht was ich tun soll.
  • Manchmal sage ich Nein.
  • Ich respektiere dich als Frau.

Botschaften der Frauen an die Männer

  • Pflege Deine männlichen Kontakte und such Dir männliche Freunde!
  • Wir Frauen können Eure männliche Kraft nicht nähren.
  • Schärfe Deine Wahrnehmung, wann Du Unterstützung von Männern brauchst und wann von mir, Deiner Frau.
  • Gefühle bei Frauen sind nicht statisch, sondern fließend. Das ist der natürliche Zustand.
  • Sei langsamer, damit Du mehr Kontakt zu Deinen Gefühlen aufnehmen kannst.
  • Gib Frauen in größeren Runden viel Raum, damit sie die Chance haben, mit ihrer Weiblichkeit in Kontakt zu kommen.
  • Mit Blumen kannst du keine Probleme lösen, aber sie sind auch nie falsch.

3 Kommentare zu “Passen wir zusammen?

  1. Im Artikel findet sich im ersten Absatz:
    „Wenn offensichtlich nicht einmal guter Sex ausreicht, was brauchen Männer und Frauen dann, um miteinander auszukommen?“.

    Ohne es gleich bezweifeln zu wollen, mich interessiert, woher diese Erkenntnis rührt und warum sie so offensichtlich sein soll. Und um es provokant zu formulieren: Ich kenne kein Paar das sich getrennt hätte, weil die gemeinsame Sexualität so befriedigend war.

    Andreas.

    1. @Andreas: der Provokation stimme ich zu. Gemeint ist es ja auch andersherum: Es gibt auch Trennungen, obwohl Paare im Bett gut miteinander auskommen. „Offensichtlich” ist (mindestens) eine weitere Zutat vonnöten, um die Verbindung zu erhalten.

  2. Es ist wirklich wahr, das wichtigste für einen Mann ist es, die Selbstliebe zu lernen. Lange Zeit dachte und empfand ich so, daß dann, wenn ich andere Menschen liebe, irgendwann auch die Liebe zu mir kommt. Es war ein langer Weg, es war ein guter Weg voll von Abenteuer und Erfahrung. Heute gelingt es mir meistens, doch bei weitem nicht immer, mich so anzunehmen, wie ich bin. Meine Erfahrung ist aber, das ich nicht als Einsiedler zur Selbstliebe kam, sondern durch Reflektion. Es brauchte für mich immer ein Gegenüber, einen Spiegel und durch die Arbeit mit dem dazwischen konnte ich wachsen.
    In liebe Rainer

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