Persönliche Entwicklung endet nie

Leben Sie Ihre Wünsche und Träume? Immer wieder erleben wir dies: Klienten erzählen davon, dass Sie später (als Rentner) große Dinge erleben wollen. Dabei wird ignoriert, dass Körper altern und Interessen sich verlagern. Was heute ein Traum oder Wunsch ist, entfaltet die meiste Kraft, wenn es alsbald umgesetzt wird.

Beispiele:

Ein Mann, der davon träumt, Norwegen in ganzer Länge mit dem Motorrad zu „erfahren“. Er erlaubt es sich nicht, weil seine Frau kein Interesse am Motorradfahren hat. Warum fährt er nicht allein?

Eine Frau, die davon träumt, einmal eine sechswöchige Ayurveda-Kur in Indien zu genießen. Sie erlaubt es sich nicht, weil sie dafür ihr Erspartes hergeben müsste. Wozu spart sie denn?

Ein Paar, das davon träumt, in Spanien zu leben. Sie erlauben es sich nicht, weil die erwachsenen (!) Kinder dagegen sind. Wird das Verhältnis besser, wenn man bleibt?

Es gibt unzählige Variationen dieses Spiels und der Grundtenor ist immer derselbe: sich selbst verleugnen, um die vermeintliche Stabilität der Beziehungen nicht zu gefährden.

Damit wir nicht in einen Konflikt mit Ehepartnern, Kindern oder Freunden geraten, verzichten wir auf die Freiheit, dem zu folgen, was das Herz schon lange vorhat. Die Folgen sind klar: Das Herz wird eng, der Geist engstirnig, und wenn andere das tun, was sie wirklich wollen, werden wir wütend.

In verschiedenen Entwicklungsstufen verfolgen Menschen unterschiedliche Werte.

  • Als Säuglinge benötigen wir zunächst Nahrung und emotionale Geborgenheit. Wir träumen unbewusst.
  • Als Kleinkinder testen wir unsere Eigenmacht, andere mit Mimik, Gestik und Geräusch zu beeinflussen. Wir träumen von unserer Tagwelt und verknüpfen nachts die neuronalen Netze mit allen Eindrücken und Erfahrungen des Tages.
  • Als Jugendliche suchen wir eine Peergroup, mit deren Idealen wir uns identifizieren können, und verstehen nicht, wie man diese Ideale nicht teilen kann. Wir träumen von einer Welt in der sich unsere Vorstellungen zu 100% durchgesetzt haben. Auf dieser Stufe sind Fundamentalisten aller Glaubensrichtungen stehen geblieben.
  • Wir treten ins Berufsleben ein und entwickeln strategisches Handeln für materiellem Erfolg und gesellschaftliches Ansehen. Diese Entwicklungsstufe kann man als unseren derzeitigen gesellschaftlichen Schwerpunkt bezeichnen. Mindestens 60% der deutschsprachigen Bevölkerung sind daher über den drohenden Verlust des Arbeitsplatzes oder über Neidkampagnen wie “Mein Haus, mein Auto, mein Boot” manipulierbar. Wir träumen von Dingen, die wir haben, und Einfluss, den wir nehmen können.
  • Andere gehen weiter und erkennen, dass ihr persönliches Handeln Auswirkungen auf das Ökosystem, die soziale Gerechtigkeit und die Verbundenheit der Menschen untereinander hat. Sie träumen den Multi-Kulti-Benetton-Traum von einer Welt, die in Frieden, Harmonie und Wohlstand miteinander lebt. Sie gründen Generationen-Wohngemeinschaften oder engagieren sich in Menschenrechtsorganisationen. Dieser gesellschaftlichen Gruppe gehören mittlerweile schätzungsweise 25% der deutschsprachigen Bevölkerung an, obwohl sie erst in den sechziger Jahren entstand. Doch viele bleiben hier stehen und bekämpfen leidenschaftlich diejenigen, denen das Materielle mehr bedeutet als Gemeinschaft und Ökologie. Sie halten alle Menschen für gleichwertig, fühlen sich aber moralisch höher stehend, weil die anderen nicht so denken.

All diesen Stufen gemeinsam ist die Ausrichtung auf ein menschliches Grundbedürfnis. Es geht je nach Stufe um physische Sicherheit und Nahrung, Ich-Stärke, Ausrichtung auf ein Ideal, Erfolg durch strategisches Handeln, Verbundenheit zwischen allen Menschen. Eine weitere fatale Gemeinsamkeit ist, dass jede der einzelnen Stufen die Bedeutung oder sogar die Existenzberechtigung der jeweils anderen nicht anerkennt.

Die Kraft, die die einzelnen Entwicklungsstufen in einem Menschen freisetzen, dem es gelingt, sich eine neue Stufe anzueignen, liegt in dem Gefühl von Freiheit, das im Rückblick auf die zurückliegende Ebene einsetzt. Eine neue Handlungsfähigkeit und ungeahnte neue Perspektiven eröffnen sich.

Was uns zurückhält, ein neues Level zu erklimmen, ist oftmals ein Umfeld, das nicht bereit ist, denselben Schritt zu gehen. Damit sind wir bei dem Punkt, den ich oben benannt habe: Um den Konflikt zu vermeiden, verharren wir im Konfirmationsanzug, der platzen würde, sobald wir uns bewegen.

Jenseits der oben genannten Stufen wartet die Erkenntnis, dass sie einerseits alle zum gesunden Menschsein dazugehören, andererseits pathologische Züge bekommen, wenn wir versuchen, aus Angst vor dem Verlust von Beziehungen unsere eigene Entwicklung zu bremsen. Insofern ist das Umsetzen von Träumen wie Motorradtour durch Norwegen, Ayurveda-Kur oder Umzug nach Spanien sowohl konkret als auch symbolisch zu verstehen. Sie enthalten die Vision von Freiheit, Gesundheit und innerem Frieden und sie führen durch ihre konkrete Umsetzung auch ein Stück weit dorthin. Und erst vom Gipfel eines Berges aus können wir entscheiden, welchen wir als nächstes erklimmen wollen.

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