Männer und Gefühle

Über Gefühle sprechen können

Von Henning Matthaei Twitter | Facebook

Wenn ich über Gefühle sprechen möchte, sollte zunächst eine halbwegs anständige Definition her, was ein Gefühl überhaupt ist und was es nicht ist. Meine Definition dazu lautet: ein Gefühl ist eine körperliche Reaktion auf eine Sinneswahrnehmung. Dabei kann es sich um Sehen, Hören, Riechen, Schmecken oder Fühlen handeln.
Die unterste Basis eines Gefühls besteht aus Ablehnung oder Anziehung. Alle darauf aufbauenden Gefühle sind Verfeinerungen für einen differenzierten Umgang mit anderen Menschen.

Eine weitere Unterscheidung mache ich zwischen Gefühlen und Emotionen. Gefühle sind auf der körperlichen Ebene die beständige Begleitmusik für sämtliche Sinneseindrücke. Sie finden laufend statt, jedoch schenken wir Ihnen nur Beachtung, wenn sie ein bestimmtes Reizlevel überschreiten.

Wenn ein Sinneseindruck eine heftige Gefühlsreaktion hervorruft, wird uns bewusst, dass wir fühlen. In Abgrenzung dazu ist eine Emotion eine dauerhafte Bestimmtheit (beispielsweise von Traurigkeit, Aggressivität oder Teilnahmslosigkeit), die für gewöhnlich auf ein oder mehrere einschneidende Ereignisse im Leben, in denen Gefühle nicht vollständig verarbeitet und verstanden werden konnten. Diese Gestimmtheit kann sämtliche anderen Gefühle überlagern.

Um Gefühle zu differenzieren ist es hilfreich, sich ein Raster von vier Grundgefühlen zu veranschaulichen: Freude, Trauer, Zorn und Angst. Manchmal antworten mir Klienten auf die Frage wie es ihnen ginge mit Sätzen wie: „Schlecht!“ Diese Aussage ist viel zu unklar, als dass man damit weiterarbeiten könnte.

Genauigkeit vermeidet Missverständnisse. Ich fordere den Klienten dann auf, das schlechte Gefühl im oben dargestellten Diagramm zu lokalisieren (Darauf klicken, um es zu vergrößern). „Schlecht“ bedeutet normalerweise eine Mischung aus Trauer und Wut, Wut und Angst oder Angst und Trauer. Haben wir diese Kombination entdeckt, so können wir das Gefühl weiter entschlüsseln, indem wir über beide Anteile nacheinander sprechen.

Eine Klientin beschwerte sich, das von den vier Grundgefühlen drei negativ seien. Das ist nicht wahr, allerdings lernen die meisten von uns schon in früher Kindheit, dass Angst, Zorn oder Trauer „ schlechte“ Gefühle sind. Das Bild ändert sich, wenn man sich vergegenwärtigt, was das einzelne Gefühl für unser emotionales Gleichgewicht leistet.

Zorn wird benötigt um Grenzen zu ziehen und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Trauer hilft dabei, Verbundenheit zu empfinden und Abschied zu nehmen. Und die Angst schützt uns vor Gefahren und Selbstüberforderung. Damit wird deutlich, dass es immer nur darum geht, ein Gefühl klar zu empfinden und zu beschreiben, damit seinen Nutzen für eine integre Persönlichkeit zur Geltung kommen kann.

Interessant ist der Umgang mit Gefühlen, wenn man sie einmal isoliert interviewt, welche Aufgaben sie für die Gesamtheit unseres Selbst übernehmen. In einer Abwandlung der Technik Voice Dialogue habe ich im Selbstcoaching-Kurs „Die Geheimnisse glücklich verheirateter Männer“ einige grundlegende Gefühle detailliert untersucht.

Die Bilder der vier Kinder verdanke ich folgenden Fotografen:
Lilykily Soggydan David Shankbone Allan Donque

Coach und Autor Henning Matthaei

Henning Matthaei ist Gründer des Partnerwerks, und seit 20 Jahren als Coach für mehr Gelassenheit in zwischenmenschlichen Beziehungen tätig. Sein kostenloser Selbstcoaching-Kurs „Zeit zu zweit“ zeigt Paaren wie sie mehr Qualitätszeit miteinander verbringen können.

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