Warum eigentlich kein Frauenversteher sein?
Für Männer, die nie wieder nach dem Weg fragen wollen….

Ich stolpere immer mal wieder darüber, dass an sich angenehme Dinge als negativ dargestellt werden. Dazu gehört das warme Duschen, das Parken im Schatten und das Verstehen des anderen Geschlechts. Männer haben ihre Freude daran, sich gegenseitig auf die Mütze zu hauen und voneinander abzugrenzen. Sie nennen sich dann gegenseitig Schattenparker, Warmduscher oder Frauenversteher.

Frauenversteher dürfen auch im Schatten parken

Ich bin mir sicher, dass sich Sigmund Freud mit dem Penisneid, den er den Frauen grundsätzlich zuschrieb, gründlich getäuscht hat. Die höchsten Wolkenkratzer wurden bisher immer von Männern geplant und gebaut. Aber es muss doch einen Grund dafür geben, dass Männer Fähigkeiten wie Umsicht (im Schatten parken), Kommunikation (Frauen verstehen) und Genußfähigkeit (warm duschen) als unmännlich wahrnehmen. Ich bitte um Zuschriften, wenn jemand einen weiß.

Männer und Frauen bewohnen gemeinsam die Erde, es kann also nicht schaden, sich gegenseitig besser zu verstehen. Hier beginnt deshalb unser

„Drei-Tages-Kurs zum Frauenversteher“

1. Tag: Unsichtbar sein

Frauen sind vollständig, so wie sie sind. Sie können aus sich selbst heraus Leben gebären und sind häufig glücklich und zufrieden, wenn sich ihnen für eine Weile kein Mann zeigt. Wenn dagegen Männer unter sich sind, dauert es nicht lange, bis eine gewisse Unruhe entsteht – Zeit auf die Pirsch zu gehen und Frauen zu erobern.

Trainingsaufgabe:

Wann immer Ihnen unterwegs eine Frau begegnet (auf der Straße, in der Bahn, im Büro) unterlassen Sie jeden Versuch, in irgendeiner Weise ihre Aufmerksamkeit zu erzeugen. Wenn Sie nicht unbedingt mit ihr sprechen müssen, z.B. mit der Kassiererin im Supermarkt oder mit einer Kollegin über die nächsten Aufgaben, dann lassen Sie es sein.

Beobachten Sie den natürlichen Drang, sich in Szene setzen zu wollen. Beobachten Sie die Tendenz, einen Eindruck hinterlassen zu wollen. Seien Sie einen Tag lang unsichtbar für alle Frauen außer Ihrer Partnerin.

2. Tag: Achtsamkeit

Handlungen, wie Türen aufhalten und in den Mantel helfen, sind im Laufe der Frauenbewegung zunehmend unter die Räder gekommen. In ihnen steckte eine grundlegende Anerkennung der Bereitschaft des Männlichen, das Weibliche zu unterstützen.

Das Zentrum der christlichen Kultur ist in vielen Ländern der Marienkult – eine Anerkennung des weiblichen Prinzips. Die Achtsamkeit für das Weibliche hat demnach eine lange Tradition, leider allzuoft in einer merkwürdigen Aufteilung in gute und schlechte Frauen, Heilige und Huren.

Trainingsaufgabe:

Achten Sie heute auf alle Frauen, die Ihnen begegnen, allerdings ohne sie in irgendeiner Weise beeindrucken zu wollen. Lassen Sie Vortritt, geben Sie Raum, machen Sie Platz… Seien Sie so entgegenkommend wie möglich zu jeder einzelnen von ihnen – vollkommen unabhängig von Alter, Aussehen und Kleidung.

Lassen Sie sich nicht von den Äußerlichkeiten leiten, sondern erschaffen Sie einen immer gleichen Raum der Achtsamkeit für jede Frau, die in Ihrem Gesichtsfeld auftaucht. Beobachten Sie Ihre inneren Reaktionen. Fühlen Sie sich stärker oder schwächer? Sind sie männlicher oder unmmännlicher?

3. Tag: Kommunikation

Funktionierende Kommunikation lebt von einer grundlegenden Fähigkeit: ZUHÖREN. Aufmerksames Zuhören, ohne sich selbst gleich wieder ins Spiel zu bringen, ist in Männergesellschaften keine ausgeprägte Eigenschaft. Laute Stimmen, kräftige Körper, wir können uns durchsetzen. Im dritten Schritt, nachdem Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Partnerin fokussiert und Ihre Fähigkeit, sicheren Raum zu schaffen, erweitert haben, ist das Training ungeteilter und nicht-reaktiver Aufmerksamkeit.

Trainingsaufgabe:

Fragen Sie Ihre Frau abends, wenn Sie nachhause kommen, wie es ihr geht und hören Sie mit Ausdauer zu, als ob das die einzige Aufgabe wäre, die es in Ihrem Leben gibt. Wenn sie fertig ist, fragen Sie sie, ob sie noch mehr erzählen möchte.

Ermuntern Sie sie, Ihnen alles zu berichten, was heute gewesen ist, ohne dass Sie in irgendeiner Weise kommentieren, Vorschläge machen oder ihre eigene Meinung zu irgendeinem Thema kundtun wollen. Warten Sie mit ihren eigenen Mitteilungen so lange, bis Sie den Eindruck haben, dass Ihre Frau alles gesagt hat, was sie sagen möchte. Erst dann berichten Sie von sich selbst.

Erzählen Sie Kleinigkeiten, die Sie für unwichtig halten, die mit Beziehungen zu anderen Menschen zu tun haben. Erzählen Sie, wen Sie getroffen haben, wie er aussah, was er gesagt hat, wie Sie sich gefühlt haben…

Wenn Sie das Gefühl haben, über unbedeutende alltägliche Dinge gesprochen zu haben, Ihre Frau dagegen den Abend besonders schön fand, haben Sie es geschafft: Sie sind ein Frauenversteher.

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